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Im deutschen Reich · 1897-01-01 · Heft 1 (Januar 1897) · p. 43

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 1 (Januar 1897)
Article
Umschau
Date
1897-01-01
Page
43 (sequence 6)
Language
German
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Umschau. 43 Gerichtsverhandlung ein grelles Streiflicht geworfen. Das genannte Blatt veröffentlichte am 16. August v. I. ein Gedicht mit der Ueberschrift: „An den Kottbuser Magistrat". Darin wurde mitgetheilt, daß der Magistrat mit Rücksicht auf die dortigen jüdischen Einwohner den Herbstmarkt verlegt habe, weil dieser auf .einen jüdischen Feiertag fiel, während der Viehmarkt trotz der Klage der Katholiken am Frohnleichnamstage abgehalten werde. Die Strophe endete mit folgenden Zeilen: „Den Hut ab vor so „christlicher" Behörde, O, daß zum Dank sie bald — „geschachter" werde!" Oberbürgermeister Werner zu Kottbus stellte deshalb Strafantrag wegen Beleidigung. Als Zeuge vernommen, bekundete er in der Verhandlung, daß die Verlegung des Herbstmarktes auf Anordnung der Regierung und mit Rücksicht auf das jüdische Neujahrsfest erfolgt sei. Wenn die Zahl der jüdischen Einwohner in Kottbus auch weit geringer sei als die der Katholiken, so sei die' Betheiligung der Juden am Marktverkehr doch ungleich größer als die der Katholiken, die niemals um eine Verlegung des Viehmarktes eingekommen seien. Staatsanwalt Dietz hielt eine Beleidigung in schlimmster Form für vorliegend und beantragte gegen den Angeklagten eine Gefängnißstrafe von drei Wochen. Der Gerichtshof bezeichnete den dem Magistrat von Kottbus gemachten Vorwurf der Parteilichkeit für unberechtigt und unbegründet; die Beleidigung sei schwer und nur mit Rücksicht auf die bisherige Unbescholtenheit des Angeklagten sei auf eine Geldstrafe in Höhe von 200 Mk. erkannt worden. Aus Anlaß des Hinscheidens eines Mitbegründers des „Vereins zur Abwehr des Antisemitismus", Georg von Bunsen, ist dieser Tage das denkwürdige Schreiben wiedergegeben worden, welches derselbe am 20. Juni 1880 an den Geh. KommerzienrathMagnus richtete. Dasselbe lautete: „Verehrtester Herr Geheimrath! Gestern Abend nahm die Frau Kronprinzessin eine Gelegenheit wahr, von der „ I u d e n h e tz e " und der „schönen Geduld" zu reden, welche die Juden an den Tag gelegt. Im Laufe dieses Gespräches habe ich dann der hohen Frau von Ihrer Absicht, das Lessing-Denkmal zu errichten, erzählt. Aus meine Aeußerung, daß gerade jetzt der Augenblick mir gekommen zu sein scheine, wo gar Mancher sich freuen würde, seine Gesinnung zu bekunden und banüt einer ebenso frechen als unerwarteten Agitation entgegenzutreten, ging sie lebhaft bejahend ein. „Ich hoffe, daß man weiß, wie scharf und entschieden der Kronprinz und ich sie mißbilligen rc. . Ganz der Ihrige G. v. B u n s e n." — In

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