Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1897)
- Article
- Umschau
- Date
- 1897-01-01
- Page
- 42 (sequence 5)
- Language
- German
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42 Im deutschen Reich. gebrochen sein. Bezüglich des Prozesses Mirbach-Sedlatzek verweisen wir auf den in diesem Heft enthaltenen Artikel: „Die Judengeld- Sammler-Verleumdung". Mit den beiden Schriftstellern Schweinhagen und Sedlatzek hat in diesem Prozesse die ganze antisemitische Partei auf der Anklagebank gesessen. Deshalb bemühen sich jetzt die antisemitischen Blätter, diejenigen abzuschütteln, welche offen ausplauderten, was die Vorsichtigeren täglich verblümt kundgeben. Die „Staatsbürger-Ztg." bezeichnet es als Unehrlichkeit im Kampfe, daß die Freis. Ztg." daran erinnere, daß 1892 Schweinhagen mit Dr. Bachler in den Agitationsausschuß der „Antisemitischen Vereinigung für Norddeutschland" gewählt worden sei. Diese unliebsame Erinnerung veranlaßte das Organ des Herrn Dr. Bachler zu der Bemerkung: „Herr Richter hat doch auch schon neben notorischen Lumpen in seiner Partei gesessen. Der Unterschied ist nur der, daß seine Partei die Schuldigen deckt, während die antisemitische sie ausstößt." Ein anderes antisemitisches Blatt schreibt: „Was den unglücklichen Paasch anlangt, so sollte Herr Oberstaatsanwalt Drescher doch wissen, daß diesem derartige Gedanken von dem zu seiner Beaufsichtigung entsandten Polizeiagenten Normann-Schumann eingeflößt wurden. Der Angeklagte Schweinhagen gehört nicht zur deutsch-sozialen Reformpartei; wir haben vielmehr vor ihnl stets gewarnt. Allerdings hat er, wir wissen nicht in wessen Interesse oder Aufträge, wiederholt sich in die Reformpartei einzudrängen versucht, aber seine Versuche sind erfolglos geblieben. Wir wollen Niemanden „von unseren Rockschößen abschütteln," wir verwahren nur die deutsch-soziale Reformpartei gegen die Gemeinschaft mit Schweinhagen und Genossen!" — Im Grunde kommt das wohl auf dasselbe heraus; ob dieses Bemühen von Erfolg gekrönt wird, dürste sich in dem gegen den Kriminalkommissar von Tausch eingeleiteten Meineidsprozeß zeigen, in welchem zahlreiche Journalisten als Zeugen geladen werden sollen. Hoffentlich wird dabei auch der wahre Charakter des Herrn Normann-Schumann enthüllt werden, von dem die „Kölnische Ztg." kürzlich berichtete, daß er von der politischen Polizei für seine Dienste gegen die Antisemiten besoldet wurde und sich zur gleichen Zeit von den Antisemiten honoriren ließ für seine Mitarbeit oder für seinen Schutz gegen die politische Polizei! Aus einer Mittheilung des „Vorwärts" geht übrigens hervor, daß Normann-Schumann den Sozialdemokraten gegenüber dasselbe Doppelspiel ausgeführt hat. Auf das Gebahren der Judengegner hat auch eine wider den Redakteur der „Staatsbürger Zt g.", Georg Berger, vor der zweiten Strafkammer des Berliner Landgerichts I stattgehabte