Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1897)
- Article
- Umschau
- Date
- 1897-01-01
- Page
- 39 (sequence 2)
- Language
- German
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Umschau. 39 ihrer Politik ansehen. NichtPolitik des Juden- Lhums, sondern Politik des DeuLschthums! Wenn Kaiser Wilhelm I. es für recht gehalten hat, am 18. Dezember 1870 aus Simson's Händen eine von Lasker verfaßte Adresse des Norddeutschen Reichstages anzunehmen, die ihn bat, die deutsche Kaiserkrone zu ergreifen, so ist darin für die grundsätzlichen Vertreter der deutschen Reichsverfaffung die Linie bezeichnet, innerhalb deren sie eine Mitwirkung nichtgermanischer Kräfte für nutzbringend halten können. Die Verschiedenheit der Religion wird kein Hinderniß des Zusammenwirkens sein, so lange sich beide Theile an den in Erfurt beschlossenen § 7 haltem" — Deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens werden die Losung „Nicht Politik des Judenthums, sondern des Deutschthums" als eine ihnen längst vertraute erkennen, weil sie sich in religiöser Beziehung stets als Juden, in politischer stets als Deutsche bekannt haben. Sie werden auf solche Forderungen mit Schillert Worten antworten: „Ei nun; begehrt Ihr sonst nichts mehr, das ließe sich unter dem Wamms da finden!" Minder sicher ist, ob die Mehrheit der national-sozialen Gefolgschaft des Pfarrers Naumann wie dieser den Werth der israelitischen Mitarbeit zu schätzen weiß,, ob ihr wirklich „die grundsätzliche Abweisung des Antisemitismus" gemeinsam ist, ob, wie Th. Marr vorahnend bezweifelte, „die junge Organisation schon die Kinderschuhe abgestreift und Raum hat für Alle, die es mit ihr treu meinen." In der „Zeit" haben alsbald ein Mitglied des national-sozialen Vereins, Dr. W. Rupprecht in Göttingen, und ein demselben sympathisch gegenüberstehendes Mitglied der badischen antisemitischen Partei, Stadtpfarrer Specht in Zell in Wiesenthal Stellung gegen die tolerante Naumann'sche Auslegung der Judenfrage genommen und dem politischen und sozialen Antisemitismus das Wort geredet. Andererseits haben sich mehrere National-Soziale, Battenberg, Witte, Zollmann . u. A. m. in der „Zeit" für die Naumann'sche Auffassung der Judenfrage erklärt. Dieselben antisemitischen Blätter, welche sich zunächst empört über die Stellungnahme Naumanns zu Gunsten der israelitischen Mitarbeit äußerten, haben sofort nach den gegentheiligen Kundgebungen die nicht ganz unberechtigte Frage aufgeworfen: „Was will der nationalsoziale Verein auf der Welt, wenn er nicht p hilosemitisch ist? Das bischen schärfere Tonart rechtfertigt doch nicht die Gründung einer neuen socialreformerischen Gruppe gegenüber den bestehenden älteren antisemitischen Parteien der deutsch-sozialen Reformer und Christlich- Sozialen?" Das Stöcker'sche Blatt „Volk" suchte den ganzen Zwischenfall für seine Partei auszubeuten und citirte Aussprüche