Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1897)
- Article
- Die Judengeld-Sammler-Verleumdung
- Date
- 1897-01-01
- Page
- 29 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316624-2316626-2319732--01972-2319837- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Die Judengeid-Sammler-Perleurndrrug. 29 gekannt bezw. gelesen zu haben, suchte er mit allerhand Redensarten seine eigene damalige Aussage anders auszulegen. Schwennhagen stellte eine große Reihe von Anträgen auf Zeugenvernehmung, sdurch welche die Richtigkeit seiner Angaben erwiesen werden sollte. Er erklärte sich jedoch bereit, diese Anträge znrückzuziehcn, wenn die Staatsanwaltschaft die Anklage auf Grund des Paragraphen 186 fallen lasse. Oberstaatsanwalt Drescher beantragte aber, sämmtliche Anträge abzulehnen, da über alles Nöthige der als Zeuge anwesende Freiherr von Mirbach Aufklärung geben würde. Diese Anträge seien ein Beweis dafür, was ein preußischer Gerichtshof sich bieten lasten muffe. Ganz offenbar sei es auf eine Verschleppung abgesehen, denn der Angeklagte habe Zeit genug gehabt, dieselben im Verlaufe des Vorverfahrens einzubringen. Auf den Leim, die Anklage auf den § 185 zu beschränken, gehe er nicht. Hierauf erschien Freiherr von Mirbach als Zeuge und erklärte zunächst etwa Folgendes: „Der Artikel des General-Anzeigers gehöre zu jener langen Reihe von Verdächtigungen und Schmähungen, mit welchen die christlich-soziale und antisemitische Presse ihn seit Jahren verfolge. Unwahrheit und Hetzsucht seien die Quellen, aus welchen sie schöpfe; diese Presse glaube ungestraft dies verüben zu können, weil sie darauf rechne, straflos zu bleiben, da anständige Menschen davor zurückscheuten, in diesen Pfuhl hinabzusteigen. Es sei endlich hoch an der Zeit, das Schweigen zu brechen nnd vor der Oeffentlichkeit Zeugniß abzulegen gegen eine Presse, die sich nicht scheue, die Kaiserin, den Hof, die Regierung und die Behörden mit ihrer Hetze zu verfolgen. Alles in dem Artikel Behauptete sei Erfindung oder Entstellung edelster Thatsachen. Die Behauptung von dem Einfluß jüdischer Frauen am Hofe sei eine absichtliche Verdächtigung, die Hineinziehung allerhöchster Personen ein Produkt derHetzsucht, eine schamlose Erfindung sei die angebliche Sammlung bei jüdischen Bankiers für kirchlicheZwecke. Die Versammlung bei Herrn von Dechend sei in der Art und Weise, wie der Artikel dieselbe hinstellte, nur ein plumper Vorwand. In Wahrheit seien in jener Versammlung lediglich christliche Inhaber von Banken anwesend gewesen, Geldsammlungen für Kirchenbauten seien gar nicht ihr'Zweck gewesen, sondern einzig und allein Werke edelster Menschenliebe. Ein edles Werk werde hier in dreistester