Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1897-01-01 · Heft 1 (Januar 1897) · p. 27

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 1 (Januar 1897)
Article
Die Judengeld-Sammler-Verleumdung
Date
1897-01-01
Page
27 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2316602-2316624-2316626-2319732--01970-2319835
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die Iudengeld-Zammler-Verleumdung. 27 semiten gefeit gegen den anderen Politikern gegenüber so oft angewandten „Groben Unfugs-Paragraphen", als stände ihnen bei den wüthendsten Ausfällen stets die Entschuldigung der „berechtigten Interessen" zur Seite und im Nothfall das Hinterpförtchen offen, zwar verhöhnt, aber keine rohen beschimpfenden Ausdrücke gebraucht zu haben. In dieser Zuversicht haben sie immer mehr gewagt, bis ihr Treiben auch denen gefährlich oder doch wenigstens lästig zu werden begann, welche den Angriffen auf Juden und Judenthum gegenüber neutral geblieben waren, und ihre verblendete Hetzsucht suchte auch Opfer in Kreisen, die sonst als unantastbar gelten. Da wurde man endlich darüber klar, daß eine, Bewegung, welche so starke Wellen schlägt, aus die Dauer nicht in engen Ufern bleibt, daß es höchst bedenklich ist, Männer, die beständig an die schlimmsten Instinkte der Massen appelliren, schalten und walten zu lassen und zu erwarten, daß sie stets dabei Obrigkeit, Gesetz und Ordnung achten werden. Nachdem die antisemitische Verleümdungssucht erst den Staatssekretär von M a r s ch a l l und dann den Oberhosmeister Freiherrn v o n M i r - bach in die Nothwendigkeit versetzt hatte, sich in die Oeffentlichkeit zu flüchten, lag es klar und offen, daß der Antisemitismus nicht nur die Juden und ihre wohlwollenden Freunde gefährdet. Wer daran noch zweifelte, dem hat die am 8. Januar vor der 8. Strafkammer des Berliner Landgerichts l stattgehabte Verhandlung gegen den Schriftsteller Ludwig Schweinhagen, genannt Schwennchagen, und den Redakteur Carl Sedlatzek volle Aufklärung verschafft. Die Genannten hatten sich wegen Beleidigung des Oberhofmeisters der Kaiserin, Freiherrn von M i r b a ch , zu verantworten. Wir kommen auf die Einzelheiten dieser Verhandlungen eingehend zurück, weil in derselben endlich einmal mit fester Hand den Judengegnern die loyal-patriotische Maske vom Gesicht gerissen worden ist, weil nun das deutsche Volk sich überzeugen kann, wie die Männer unverhüllt aussehen, welche vorgeben, nicht nur die „jüdische Korruption" zu bekämpfen, sondern auch Thron und Altar zu schützen. In dem Artikel „Der Judengeldsammler für die Berliner Kirchenbauten", welchen Ludwig Schwein- Hagen verfaßt und Carl Sedlatzek im „Deutschen Generalanzeiger"

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.