Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1897)
- Article
- Die Judengeld-Sammler-Verleumdung
- Date
- 1897-01-01
- Page
- 26 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2316602-2316624-2316626-2319732--01969-2319834- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
26 Die Iudengeld-Sammler-Verleuindung. Z«Was von allm Unbefangenen längst vorausgesehen wurde, daß nämlich die antisemitische Presse durch die überaus milde Beurtheilung ihrer ungerechten Angriffe auf die deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens sich verleiten lassen würde, ihre Kampfart auch auf anderen Gebieten zu erproben, ihre Volksvertreter- Rolle auch auf größeren Bühnen zu spielen, ist eingetroffen. Selbst wenn der Uebermuth der Judengegner nicht durch die für sie selbst oft überraschende Wirkung des von ihnen ausgeübten Terrorismus gesteigert worden wäre, mußten die antisemitischen Wortführer sich ein größeres Kampffeld suchen, weil das beständige Zetern gegen eine fast wehrlose Minderheit, die nur sehr geringe Angriffspunkte bot, der Mehrheit des deutschen Volkes langweilig wurde. Dieses ewige Wiederholen längst wiederholter Unwahrheiten, z. B. einzelner im dunkelsten Mittelalter durch die Folter erpreßter vollständig unwahrscheinlicher Geständnisse, der von Convertiten falsch übersetzten Talmudstellen und Gebete, einer in der „Deborah-Zeitung" angeblich enthaltenen gber unauffindlichen Blasphemie u. dgl. m., konnte mit der Zeit das Interesse an der ganzen antisemitischen Bewegung abstumpfen. Wenn den an scharf gewürzte Kost gewöhnten Massen nichts Neues, Sensationelles geboten wurde, wären möglicher Weise die antisemitischen Versammlungen verödet, die antisemitischen Blätter nicht mehr gelesen und der Antisemitismus ein nicht mehr lohnender Betriebszweig geworden. Darauf wollte man es doch nicht ankommen lassen, und man wagte sich deshalb höher hinauf, was um so ungefährlicher schien, als die bisher gegen die Juden Jahre hindurch ungestraft geübte Kampfart in dem Glauben bestärkte, als seien die Anti-