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Im deutschen Reich · 1897-01-01 · Heft 1 (Januar 1897) · p. 15

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 1 (Januar 1897)
Article
Der Glaube Israels
Date
1897-01-01
Page
15 (sequence 15)
Language
German
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Der Glaube Israels. 15 Die philosophischen Systeme haben zu keinem bestimmten Lebensziel geführt und genügen ebensowenig wie die Grundsätze ethischer Vereine dem Bedürfniß der Menschheit. Der Glaube muß das Denken ergänzen; reines Dmken giebt keine zureichende Erkenntniß, und das Judenthum fordert keinen Glauben, welcher der Vernunft widerspricht. Unsere Vernunft, ich wiederhole es, erkennt in der Offenbarung am Sinai das, was als das Postulat der praktischen Vernunft aufgestellt ist, Gott, Unsterblichkeit und intelligible Freiheit. Unser Verstand erfaßt und erkennt in dieser wunderbaren Gesetzgebung, in der zwischen Glauben und Erkennen kein Gegensatz existirt, auf dem Boden strenger Gerechtigkeit,, empirische Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Unser Gefühl empfindet, daß aus den Ermahnungen und aus den Strafen, die aus der Verletzung der Gesetze nothwendig folgen müsien, Liebe leuchtet, ewige Liebe, die immer verzeihen will. Unsere Erfahrung weist darauf hin, daß diese Gesetzgebung es war, die uns befähigte, den Stürmen einer Welt zu trotzen, daß die seelischen Bande, die sie um uns schlang, sich als weitaus stärker erwiesen, als die materiellen Jnteresien, die die Völker und Individuen zusammenhielten. Sie war es, die uns in den Stand setzte, als sich die Thore des Ghetto öffneten, das Licht der Freiheit zu ertragen und in den Reihen der erleuchtetsten Nationen jeder an uns gestellten Aufgabe gerecht zu werden. Wir selbst fühlen, daß dieser unser Glaube jeder Aspiration unseres Herzens Genüge leistet; unsere Erkenntniß ist mit unserer religiösen Ueberzeugung nirgends im Widerspruch. Die Zukunft gehört dem Glauben an den Einig-Einzigen. Zu ihm werden die Bewohner der Erde zurückkommen und dieser einigende Einheitsglaube wird unwiderstehlich in das Herz aller Völker dringen. Klar steht es vor dem unbefangenen Geiste, klar ist es dem, dem die Blätter der Geschichte offen liegen, daß eine höhere Macht die Geschicke Israels zu einem bestimmten Ziele leitet und daß seine Mission noch nicht erfüllt ist. Je mehr die Erkenntniß sich ausbreiten wird über die Erde, je mehr die Triumphe der Wissenschaft das Loos der Menschen

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