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Im deutschen Reich · 1897-01-01 · Heft 1 (Januar 1897) · p. 13

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 1 (Januar 1897)
Article
Der Glaube Israels
Date
1897-01-01
Page
13 (sequence 13)
Language
German
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Der Glaube Israels. 13 In einer Höhle in der Nähe des Todten Meeres hattm sich über achthundert Männer, Frauen und Kinder verborgen. Des AntiochoS General Philippos, der dieselbe umzingelt hatte, bot ihnen die Erhaltung ihres Lebens an, wenn sie sich der Gnade des AntiochoS ergeben würden. Einstimmig wurde dieses verweigert; die Mordgesellen warfm Feuerbrände in die Höhle, und treu den Gesetzen ihres Gottes kamen sämmtliche Männer, Frauen und Kinder um. Keine Nation hat dem römischen, auf der Höhe seiner Macht stehenden Reiche einen so fortgesetzten und verzweifelten Widerstand entgegengesetzt, wie die jüdische. Als Pompejus den Tempel an einem Sonnabend stürmen ließ, setzten die Priester im Innern desielben den Gottesdienst in gewohnter Weise fort, die jüdischen Soldaten weigerten sich, am Sabbathtage die Waffen zu ergreifen und ließen sich hinschlachten. Nie ist anderswo der kategorische Imperativ Kant's in dieser Weise zu seiner letzten Konsequenz geführt worden. Aber ich brauche, von Einzelheiten nicht zu reden, in allen Ländern, zu allen Zeiten und noch heute haben die Kinder Israels eher ihr Gut und Blut, als den Glauben, der in ihrer Ueberzeugung lebte, aufgegeben. Woher kam diese beinahe dämonische Macht in das Herz der Juden? Zu allen Zeiten haben die Nationen der Erde ihren Heerd, ihre Heimath, ihr Land vertheidigt, sie haben Eroberungskriege geführt, auch wohl aus reiner Kampfeslust die benachbarten Völker mit Krieg überzogen. Es sind wohl auch Religionskämpfe vorgekommen, obgleich weitaus bei den meisten derselben die Eroberung von Gebiet und Landesstrecken oder andere materielle Interessen im Hintergründe standen. Die reinen Religionskriege treten ganz vereinzelt auf und haben kurzen Bestand. Aber die ganze Existenz Israels, seine Geschichte, seine Leiden, sein Kampf um das Dasein ist gebunden an die religiöse Idee: Der stärkste Trieb der Menschheit, die Selbsterhaltung, tritt zurück. Es sind vergeistigte, transcendente Wesen, wie es nie andere in der Geschichte gegeben hat.

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