Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1897)
- Article
- Der Glaube Israels
- Date
- 1897-01-01
- Page
- 11 (sequence 11)
- Language
- German
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Der Glaube Israels. 11 Und wo weilt der Heilige Israels? Bei denen, die demüthigen Geistes und gebeugten Gemüthes sind. — Und wo ist der Tempel seiner Heiligkeit? „An jedem Orte, wo Du meiner gedenkst, komme ich zu Dir und segne Dich." Und wer kann hinaufsteigen auf den Berg des Ewigen, wer weilen an seiner heiligen Stätte? Sind es die Kinder Israels allein? Nein — „Der rein an Händen und lauter im Herzen, der nie zur Lüge und zum falschen Schwur seine Lippen öffnet." Doch wenn die ganze Welt in Sünde versunken ist, wenn das Herz der Menschen sich voll von Reue wieder zu ihrem Gotte wendet, dann wird für Zion der Erlöser kommen und für die, die bußfertig sind im Hause Jakob. Wer sieht nicht, wer fühlt nicht im Innersten seines Herzens das Verhältniß, in dem die Gottheit sich zur irrenden Menschheit setzt? Das innigste Band, das uns an diese Erde knüpft, ist das der Eltern zu den Kindern, und in diesem Verhältniffe befinden wir uns Alle nach der Lehre Israels zu unserem Gotte. Es ist mit vollem Rechte behauptet worden, daß es unmöglich wäre, durch irgend welche Beweise die Zweifler von der Wahrheit irgend eines religiösen Glaubens zu überzeugen. Man kann nicht auf irgend welche konkrete Objekte hinzeigen, um den Glauben zu beweisen. In dem Augenblicke, in dem ich das Unbedingte definire, mache ich es zu einem Bedingten. Aber ist das nicht bei unserem Wissen in derselben Weise der Fall? Sind wir nicht auch hier auf das Unbedingte angewiesen. Stammt nicht alle unsere Erkenntniß aus dem Unbedingten? Muß nicht der philosophisch unhaltbare und immer versagende Materialismus ebenso ein Absolutes annehmen, wie jede andere erkenntniß-theoretische Anschauung? Aber, wenn die Grundbegriffe des menschlichen Erkenntnißvermögens nicht ausreichen, das Wesen des Unbedingten zu erkennen, giebt es nicht eine Wahrscheinlichkeit, die dem, was wir Gewißheit nennen, absolut gleichkommt.