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Im deutschen Reich · 1897-01-01 · Heft 1 (Januar 1897) · p. 10

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 1 (Januar 1897)
Article
Der Glaube Israels
Date
1897-01-01
Page
10 (sequence 10)
Language
German
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10 3m deutschen Reich. Pfeile den Adler, nnd der göttliche Geist stieg wieder zu den Höhen des Olympos. Von Sinais Höhen vernahmen unsere Väter die Verkündigung der erlösenden Liebe und brachten die Gebote der ewigen Gottheit den Völkern der Menschheit. Am Felsen gekettet, zerfleischte die Mißgunst der Geschlechter das Herz unseres Volkes, doch in dem Dunkel der Nacht sprang stets die Liebe empor. Und am Ende der Tage überwindet der Genius der Menschheit die Feinde des Lebens und der Geist unseres Volkes steigt zu der Gottheit empor. Es ist die Liebe, es ist das Mitleid, die mit dem Judenthum die Welt durchziehen. Der Heilige Israels offenbart sich dem Volke als barmherzig und gnädig, langmüthig und von großer Güte und Treue. Wo war vor jener Offenbarung eine Religion, ja nur eine Anschauung, die der Allmacht als erstes Attribut die Barmherzigkeit zuert heilte? Wer hat das Mitleid, wer die Liebe in die Welt gebracht? Wer hat die Freiheit und die Gleichheit und die Brüderlichkeit verkündet, Jahrtausende bevor unter Strömen von Blut eine große Nation die Anerkennung dieser Prinzipien forderte? Wer hat die Priester, durch Jahrtausende die Geißel der Menschheit, mit den Worten unnöthig gemacht?! Ihr, Ihr sollt mir sein ein Volk von Priestern und ein heiliges Volk. Wer hat das Asylrecht, wer die Gastfreundschaft im weitesten Sinne gewahrt? „Unterdrücket nicht den Fremdling, denn Ihr kennt das Herz der Fremdlinge, denn Fremdlinge wäret Ihr im Lande Egypten." Und weiter: „Verziehen werde der ganzen Gemeinde Israel und dem Fremdlinge, der in ihrer Mitte weilt." Wer gedenket in Worten so einfach und schlicht, und doch gerade deshalb mit unwiderstehlicher Gewalt unsere ganze Seele packend, wieder und wieder der Waisen und Armen? „Unterdrücket nicht die Waise und die Wittwe, stehet bei den Armen und den Unterdrückten, damit sie nicht zum Himmel schreien, und es wäre Sünde gegen Dich." Welche Religion hat die Arbeit zur Pflicht erhoben? „Sechs Tage sollst Du arbeiten" geht dem hohen Gebot der Heiligung des siebenten voraus.

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