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Im deutschen Reich · 1897-01-01 · Heft 1 (Januar 1897) · p. 5

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 1 (Januar 1897)
Article
Der Glaube Israels
Date
1897-01-01
Page
5 (sequence 5)
Language
German
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Der Glaube Israels. 5 zutreten und wie die Epikuräer dem lieben Gott irgend einm Platz zwischen Himmel und Erde mit irgend einer undefinirbarea Thätigkeit zuzuweisen. Aber die Menschen und die Völker brauchen Religion; sie brauchen ewige Gesetze, nicht wandelnde Normen der Moral; sie brauchen Ideale in der Kunst, in der Poesie wie im Leben! Sie brauchen Trost in ihren Leiden, Hoffnung in ihrer Verzweiflung, Vergebung für ihre Sünden. Die leidenschaftslose Resignation der stoischen Schule behagt dem warm empfindenden Theil der Menschen nicht und wird es niemals thun. Der gesunde Menschenverstand kann nun einmal nicht begreifen, daß diese schöne Erde, daß diese Myriaden von Welten, die in dunkler Nacht schweigend über unseren Häuptern dahinziehen, daß die ungezählten Millionen leidender, fühlender Menschen mit ihrem Streben und Sehnen, mit ihrem Hoffen und ihrem Verlangen ein zufälliges Gemisch unbegreifbarer Atome seien. Er geht in seinem Ursachentriebe weit hinaus über die Erscheinung und fragt sich, was dieses ruhelose Dasein bedeute, weshalb er geboren ist, weshalb er schaffen und wirken, lieben und leiden soll, um dann, nach den schnell verrinnenden Tagen, nie mehr zu empfinden, nie mehr zu sein. Er will im Innersten seiner Seele nicht glauben, daß Alles nur eine Täuschung sei, und ein Gaukelspiel, daß die traumgleich vorüberfliegenden Tage, zwecklos und ziellos vergehend, die Summe unserer Existenz seien. Er sucht in natürlicher Anschauung hinter dem Vergehenden das Bestehende, hinter der Täuschung die Wirklichkeit, hinter dem Zeitlichen die Ewigkeit. Und wenn der Sinn der Menschen in diesem Jahrhundert durch die erstaunlichen Resultate wiffenschaftlicher Arbeit in Anspruch genommen, im freudigen Schaffen und in der Erkenntniß und Aufschließung der unendlichen Schätze und Geheimniffe dieser Erde seine g a n z e Ausgabe sieht, zur Religion kommt er wieder zurück, denn sie ist schließlich das Band, das die Erscheinung an das Absolute, den Menschen und die Erde an den Himmel und an die Ewigkeit knüpft — die Erinnerung an die Welt, aus der wir stammen._ Sie ist es, die in den Gefühlen der Liebe und der Sehnsucht, der Wehmuth und der Hoffnung, in Allem, was unser Innerstes

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