Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1897)
- Article
- Der Glaube Israels
- Date
- 1897-01-01
- Page
- 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Der Glaube Israels. S wir lieben mit der ganzen Hingabe unserer Existenz? Dann wäre Nuhe verdammungswürdig und die Bequemlichkeit der Verachtung wcrth. Sollen wir deswegen Juden bleiben, weil jene Pietät, die in unserer Mitte wie nirgends sonst eine beinahe grenzenlose Macht auüübt, uns abschreckt und verhindert, einen Glauben zu verlassen, eine Ueberzeugung anfzugeben, für die unsere Vorfahren zu allen Zeiten die Opfer einer beschränkten Geistlichkeit und eines entmenschten Pöbels waren? Weilt die Liebe, die unsere Väter uns gezeigt, in dem Innersten unseres Herzens, weilt der Geist, der sie beseelte, fortlebend stets in unserer Brllst und weist unü ab, das auszugeben, was einst der Himmel ihres Daseins war? Wenn Religion nur ein Gefühl wäre, wenn der Empfindung süße Lust uns allein nur lenken und bestimmen dürfte, dann brauchten wir keinen anderen Grund, um in einem Glatrben zu beharren, der uns lehrt, daß der Ewige der Verdienste der Väter bis ins tausendste Geschlecht gedenkt. Doch das Gebot: „Ehre Vater und Mutter" befiehlt uns nicht, daß wir unsere eigenste und beste Ueberzeugung ihren» Andenken opfern sollen. Wir haben das Recht und oft auch die Pflicht, für unsere Nächsten und unsere Mitmenschen all' unser irdisches Hab und Gut, selbst unser Leben hinzngeben. Aber die Seele, die uns Gott gegeben, sie ist das Heiligthum unseres Lebens, sie zu veräußern haben wir kein Recht und wir ehren unsere Eltern am besten, wenn wir, getreu unserer Ueberzeugung, die sittliche Freiheit uns bewahren, die das unveräußerliche Gut eines jeden Menschen ist. So mächtig auch daher da» Gefühl der allgemeinen Zusammengehörigkeit mit unseren Glaubensgenosten und mit dem engeren kreise der Familie ist, mit welcher beinahe unwiderstehlichen Gemalt die Liebe zu unseren Eltern unsere ganze Seele durchzieht, sie darf die Stimme der Vernunft nicht übertönen, wenn klar und deutlich sie uns sagen sollte, daß unsere Ueberzeugung nicht mehr mit unserem Bekenntniß in Uebereinstimmung;u bringen ist. Oder bleiben wir deshalb Juden, weil wir uns scheuen, zu einer