Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1897)
- Article
- Der Glaube Israels
- Date
- 1897-01-01
- Page
- 2 (sequence 2)
- Language
- German
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2 Im deutschen Reich. Wolke erblickte, der sie zu folgen hatte und der sie folgte, nur eine, die an ihrer Mission nicht verzweifelte zur Zeit, da die Erde sich röthete mit dem Blute ihrer Söhne und der Himmel mit dem Brande ihrer Wohnstätten. Das ist die uralte Gemeinschaft, zu der wir gehören, deren intuitiver Anschauung am Sinai die Gottheit sich für alle Zetten offenbarte. Und ist dieses Prinzip ein falsches, war es nur eine unbegreifbare Täuschung, in der die Sinne Israels befangen waren, war es nur ein Phantom, dem es durch Jahrtausende in beispielloser Hingabe sein Eigenste» und sein Alles geopfert, daun schwindet die Wahrheit von der Erde und es sinkt die Hoffnung in das Dunkel der Nacht. Zu einer Zeit, wo die trostloseste und unhaltbarste aller philosophischen Theorien, wo der Materialismus sein unseeligea Scepter über die Gemüther und Geister aller Nationen schwingt, wo sein schleichendes Gift verheerend die ästhetischen und ethischen Ideale der Menschheit zerstört, da tönt so oft selbst aus unserer Mitte der Ruf, weshalb sind wir Juden, weshalb bleiben wir Inden? Weshalb sollen mir die schwere Fessel tragen, die unsere Vorväter uns geschmiedet, weshalb sollen wir in steter Einsamkeit, verfolgt von dem Borurtheil und gemieden durch die Mißgunst der Nationen, die schnell vergehenden Tage des kurzen Daseins in Kummer und getrübter Freude verbringen? Weshalb sollen wir nicht, wie Andere, freier athmen des Himmels Lust, inniger hängen an diesem schönen Planeten in dem beseeligenden Bewußtsein, geachtet und geliebt zu werden von den Menschen, die auf dieser Erde leben und lieben und leiden? Ist es Gewohnheit, die wie ein Gesetz der Schwere und der Beharrlichkeit uns niederdrückt und hält in dem Zustalid, in dem wir uns befinden? Halten wir es nicht der Mühe werth, von einem Glauben, in dem wir und die Unsrigen erzogen und aufgebracht wurden und an dem die Erinnerungen unserer Kindheit haften, uns zu trennen? Aber wenn wir selbst der Ruhe oder der lieben Gewohnheit wegen in einer Religion verharren, die uns der Zufall der Geburt auferlegt, sollen deswegen unsere Kinder Heiden, unsere Kinder, die