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Im deutschen Reich · 1896-12-01 · Heft 12 (Dezember 1896) · p. 642

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 12 (Dezember 1896)
Article
Vereinsnachrichten
Date
1896-12-01
Page
642 (sequence 9)
Language
German
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642 3m deutschen Reich. jüdischen Gebetbuch gefunden, daß die Juden, welche so Schweres erlilten, alltäglich beten: „Mit vieler Liebe hast Du uns gehegt!" Vom Standpunkte der gläubigen Christen, der viele Beziehungen zu den gläubigen Juden habe, könne es nur mit Freuden begrüßt werden, wenn für die letzteren wieder die Schriften des Alten Testaments bestimmend würden, wenn die Begeisterung für den Glauben nicht nur unter den im Osten wohnhaften „Chassidim", sondern auch unter den gebildeten Kreisen im Westen Berlins emporlodere. Er wolle seine Commilitonen veranlassen, dazu beizutragen, Vorurtheile zu beseitigen, die Jahrhunderte hindurch sich eingewurzelt hätten, und nach seinem Eintritt in das geistliche Amt die Unduldsamkeit als etwas Unchristliches bekämpfen. — Als letzter Redner des Abends erklärte Herr Dr. Iacobso h n , daß die Wiederwahl der ausscheidenden Vorstandsmitglieder zwar schon das Vertrauen des Vereins zu bem Vorstände bekundet habe, daß es aber eine Ehrenpflicht sei, dem Vorstande und insbesondere dem Vorsitzenden, Herrn Dr. Horwitz, für die Umsicht und das Verständnis;, mit welchem die Geschäfte geleitet wurden, den herzlichsten Dank zu bekunden. Die am 16. Dezember d. I. in den „Oranienhallen", Oranienstraße Hl, abgehaltene Versammlung der in 8. und 80. wohnende n Mitglieder war leider nur schwach besucht. Da Herr Dr. Jos. Lewy beruflich verhindert war, erössnete Herr M. Nosenfeld die Versammlung. Sodann behandelte Herr W o h l b e r g in einem sehr beifällig aufgenonunenen Vortrage das Thema: „Judenthum und Arbeit". Ter Vortragende wies aus zahlreichen Bibelstellen nach, daß die mosaische Gesetzgebung als eine für ein vorzugsweise Ackerbau treibendes Volk beftimmtc und im besten Sinne als eine agrarische betrachtet werden könne und daß die Bibel die produktive Arbeit ungemein hoch preise. Der Redner citirte zahlreiche Talmudstellen, welche die hohe Werthschätzung des Ackerbaues und deS Handwerks deutlich beweisen, und er zählte eine lange Reihe bedeutender Lehrer auf, welche sich durch eine Handwerksthätigkeit ernährt haben. Nachdem der Vortragende dargelegt hatte, wie die Juden in Palästina durch die geographische Lage des Landes vom Handel nahezu ausgeschlossen, später in der Zerstreuung vorzugsweise auf den Handel hingedrängt wurden, rühmte er die' verdienstliche Thätigkeit der Vereine, welche bestrebt sind, in der Neuzeit die israelitische Jugend wieder mehr dem Handwerk und dem Ackerbau zuzuführen. Er verhehlte aber auch nicht die Schwierigkeiten, welche dabei zu bekämpfen sind, einerseits das in den erwähnten Kreisen vorhandene und

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