Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1896)
- Article
- Vereinsnachrichten
- Date
- 1896-12-01
- Page
- 641 (sequence 8)
- Language
- German
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pereinsnachnchten. 641 Profeflor an der Universität Berlin, eröffnete. Derselbe erkannte die Wärme und Ehrlichkeit der Ueberzeugung an, mit welcher der Vortragende das Thema „Der Glaube Israels" behandelt habe, glaubte aber, daß man bei der Beantwortung der Frage, warum man die Religion nicht verlassen solle, auch dem Christenthum volle Gerechtigkeit widerfahren lassen müsse, daß man die von Christen in den traurigsten Zeiten des Mittelalters verübten beklagenswerthen Thaten nicht dem Christenthum, am wenigsten aber dem durch die Reformation geklärten Christenthum zur Last legen dürfe. Wenn der Vortragende das Verhältniß des christlichen Glaubens zu der Vernunft erörtert habe, so müsse betont werden, daß nach seinen eigenen Ausführungen auch das Judenthum unter Wundern offenbart worden sei. Beide Religionen hätten Märtyrer aufzuweisen. Wenn die Geschichte des Judenthums von entsetzlichen Leiden berichte, würde dies von allen wahren Christen beklagt. Wenn man der Ströme von Blut gedenke, die insbesondere während der vor genau 800 Jahren begonnenen Judenverfolgungen vergossen worden sind, dürfe man nicht vergessen, daß die Bekenner des Christenthums gleich in den ersten Jahrhunderten blutige Verfolgungen zu erdulden hatten. Der Gedanke der Barmherzigkeit und Langmuth Gottes und die Keime der allgemeinen Menschenliebe hätten ursprünglich im Judenthum gelegen; zur klaren Aussprache oder zur naturgemäßen Fortentwickelung seien diese Gedanken aber "erst später gelangt. Auch das Judenthum habe durch Priester und Leviten eine Hierarchie gehabt. Man habe das Fortbestehen des Judenthums einen Beweis für das Dasein Gottes genannt; auch er glaube, daß das Fortbestehen des Judenthums im Plane der göttlichen Weltregierung liege. Zwischen den Bekennern beider Religionen sei ein gegenseitiges Verstehenlernen und die umfassendste Toleranz erforderlich. ,;Einigen wir uns deshalb in dem Gedanken: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden!" (Lebhafter Beifall.) Dem Dank der Versammlung für diese Aeußerungen des christlichen Theologen gab der Vorsitzende Ausdruck, indem er versicherte, daß es an uns nicht fehlen solle, wenn der Friede zwischen den Konfessionen ernstlich angestrebt werde. Die Mahnung des verehrten Gastes zum Frieden werde man sich tief in's Herz prägen und beweisen, daß unser Bestreben sein werde: „Friede auf Erden und Friede unter uns selbst!" — Nach einer kurzen Bemerkung des Herrn Klausner nahm Herr sind, theol. Ernst Schaeffer das Wort, der sich als Schüler des Herrn Professor Dr. Strack einführte. Er sagte, es habe ihn immer tief ergriffen, wenn er in dem 44