Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1896)
- Article
- Vereinsnachrichten
- Date
- 1896-12-01
- Page
- 636 (sequence 3)
- Language
- German
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636 3m deutschen Reich. Die am 8. Dezember d. I. im Hotel zu den Vier Jahreszeiten, Berlin, Prinz Albrechtstr. 9, abgehaltene Versammlung der im W. und SW. wohnenden Central-Vereins-Mitglieder war nicht so zahlreich besucht, wie die Wichtigkeit des auf die Tagesordnung gestellten Berathungsgegenstandes erwarten ließ. Angekündigt war der Vortrag des Herrn Dr. I. Jacusiel: „Der Schulunterricht in der jüdischen Religion." Da Herr Dr. I. Iacusiel beruflich abgehalten war, pünktlich zu erscheinen, gab dies der Vorsitzende, Herr Dr. Carl Koehne, den Anwesenden kund und ertheilte zunächst Herrn Oberlehrer Dr. I. Schneider das Wort. Derselbe wies nach, daß der gegen den Central-Verein mehrfach gerichtete Vorwurf, sich allzusehr auf den Rechtsschutz zu beschränken, ein unzutreffender sei. Der Vereins-Vorstand habe sich u. A. von Anfang an mit der Frage des obligatorischen Religionsunterrichts beschäftigt; in der ersten Zeit des Bestehens des Vereins sei eine darauf bezügliche Petition an die Negierung ausgearbeitet worden. Daß diese Petition nicht abgesandt und die ganze Angelegenheit vertagt worden, sei daher gekommen, daß sowohl im Vorstande selbst wie in der Mitte der Mitglieder Bedenken laut wurden und in dieser Frage wesentliche Meinungsverschiedenheiten sich kund gaben. Diejenigen aber, welche auf den obligatorischen Religionsunterricht nicht endgültig verzichten wollen, hätten die beiden Fragen zu erwägen: 1. ist es überhaupt wünschenswerth, daß der obligatorische Religionsunterricht an den öffentlichen Schulen eingesührt werde, 2. wie kann man, wenn diese Frage bejaht wird, die berechtigten Einwände gegen denselben aus der Welt schaffend — Inzwischen war Herr Dr. I a c u s i e l eingetrofsen und beleuchtete nun in seinem Vortrage „Der Schulunterricht in der jüdischen Religion" die Frage des obligatorischen Religionsunterrichts von einer den Ansichten des Vorredners entgegengesetzten Seite, in dem er die hohe Bedeutung des Central-Vereins und der Aufgaben desselben würdigte, aber Zweifel darüber äußerte, ob eine Agitation für den obligatorischen Religionsunterricht zu diesen Aufgaben gehöre. Die erwähnte Frage sei tatsächlich sehr früh im Verein angeregt, dann durch einen Artikel des Herrn Dr. Schneider in der BereinszeitschrifL wieder aufgefrischt, später in einem Artikel der Frau Henriette Fürth nach verschiedenen Seiten hin erörtert und neuerdings wieder in einer Gruppenversammlung durch Herrn Wohlberg zur Sprache gebracht worden. Damit wurde das Steinchen in's Rollen gebracht und nun muß Folgendes erwogen werden: Für uns deutsche Juden giebt es 1. liechte, welche wir. gesetzlich haben und genießen, 2. solche, die uns gesetzlich zustehen.