Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1896)
- Article
- Vereinsnachrichten
- Date
- 1896-12-01
- Page
- 635 (sequence 2)
- Language
- German
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Vereinsnachrichten. 635 densten Gebieten den Wettbewerb der Juden zu verhindern, ihre Gleichberechtigung illusorisch zu machen und die traurigen Verhältnisse des Mittelalters wieder herbeizuführen. Als die beste Abwehr bezeichnete der Redner einen unsträflichen Wandel mit dem steten Bewußtsein, daß jede Handlung des einzelnen Juden der Gesammtheit der Juden angerechnet wird. Ferner empfahl er Verwendung besonderer Sorgfalt auf die Körperpflege und Vermehrung der bereits auf den verschiedensten Gebieten des Sports erzielten Erfolge, strammes, muthiges Wesen ohne provozirendes Auftreten, treues Festhallen am Judenthum wie am deutschen Vaterlande, Verhütung eines unzeitigen Optimismus angesichts vieler drohender Gefahren und festes Zusammenschaaren im Central-Verein zum Schutze unserer bedrohten staatsbürgerlichen Rechte. Nachdem der Vorsitzende dem Vortragenden gedankt hatte, wurde die Diskussion eröffnet, in welcher Herr Lehrer a. D. 9! e u m a n n darauf hinwies, daß die Juden zu den verschiedensten Zeiten schwere Prüfungen bestanden hätten, wobei ihnen ihre Religion die beste Stütze gewährt habe. Das Vorstands-Mitglied, Herr Dr. Curt Pariser, betonte, daß bei den meisten Antisemiten der Kampf gegen die Religion ebenso wie der gegen die Rasse nur Beiwerk, die Niederhaltung der wirthschastlichen Konkurrenz aber die Hauptsache sei. Die Mensinger'sche Schrift „Friede in der Judenfrage" gebe dankenswerthe Aufschlüsse über die Bewegung. In einer Zeit, die nach den Worten des Kaisers „im Zeichen deS Verkehrs stehe", könne der Antisemitismus doch nicht sein Ziel erreichen, ausschließlich dasjenige Kapital zu schädigen, welches einzelne durch die Verkehrserleichterungen zu Wohlstand gelangte Juden besitzen. Wenn nur Jeder seinen Mann stehe, stünden die Dinge gar nicht schlimm. Der Wühlspruch müsse jetzt lauten: Om et labora! Im Verlaufe der weiteren Debatte, an welcher sich die Herren Rechtsanwalt H ahn, Apotheker Joseph, Ih\ Pariser, W ohlberg und Blaß betheiligten, brachte u. A. der Erstgenannte aus seiner Praxis einen Fall zur Sprache, in welchem Sachverständige mißverständliche Behauptungen aufgestellt hatten, die zu dem bedauerlichen. Jrrthum Anlaß geben konnten, als hafteten den Juden besondere Rechtsgewohnheiten an. Gegen solche vollständig unbegründete Aeußerungen könne man nicht entschieden genug Front machen. Nachdem Herr Dr. Wiesenthal als Referent das Schlußwort gehabt, schloß Herr Rechtsanwalt Sonnenfeld kurz vor 12 Uhr die Versammlung, indem er noch der Hoffnung Ausdruck gab, daß die hier mit solchem Beifall aufgenommenen Mahnungen des Herrn Vortragenden von den Vereinsmitgliedern auch praktisch verwerthet und. verwirklicht würden.