Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1896)
- Article
- Berlin
- Date
- 1896-12-01
- Page
- 629 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Korrespondenzen. 629 Indem wir diese Berichtigung wiedergeben, bemerken wir, daß wir allerdings falsch berichtet waren; denn der Vorsitzende in dem Ehrengericht wider Fritz Friedmann war Herr Justizrath Lesse selbst. Im Uebrigen haben wir den A n w a l t s v e r e i n mit der Anwaltskammer verwechselt." — Diese Form der Berichtigung kennzeichnet den Charlottenburger Antisemiten, der sich für einen protestantischen Theologen ausgiebt, hinreichend. Nachdem er die Verwechselung des Verewigten mit einem Anderen einräumen muß, bezieht er seine ungerechten Vorwürfe auf diesen Anderen, ohne das Andenken des ursprünglich von ihm Verleumdeten davon zu befreien. Daß leider eine derartige Gefühlsrohheit nicht nur Herrn Knorr, sondern auch Anderen seines Gelichters nachzusagen ist, muß als eine traurige Thatsache konstatirt werden. Am Abend des 8. November hörte ein an der Gasthofstafel des Hotels „Zum Lamm" in Hof i. B. sitzender jüdischer Geschäftsreisender aus Berlin einen Herrn zu den Stammgästen sagen: „Ich begreife nicht, wie die Zeitungen noch von der Ermordung des I u st i z r a t h s Levy schreiben können. Es ist doch immer von Tausenden einer weniger." Derselbe Redner bemerkte außerdem: „Wenn die Gesetze die Juden nicht schützten, würde man sie wie die Armenier mit Knüppeln niederschlagen und ich hätte meine Freude daran!" Dies veranlaßte den jüdischen Reisenden, sich zu vergewissern, wer der Sprecher sei, dessen Aeußerungen übrigens auch von dem Hotelwirth, zwei Kellnern und einem Kellnerlehrling gehört wurden. Er erfuhr, daß es der Fabrikdirektor K e l b e r aus Hof i. B. sei, ein Mann, der wiederholt in Geschäften seines Hauses, der bekannten Firma Georg Münch u. C o., mit den angesehensten jüdischen Firmen in Berlin persönlich verkehrt hat. Daß ein solcher Mann sich in der erwähnten Weise über Ermordungen von Juden öffentlich äußert, zeigt ebenso wie das Verhalten des Charlottenburger Redakteurs, wie weit schon die antisemitische Bewegung die Umwerthung aller Sittlichkeitsbegriffe bewirkt hat! Dem entspricht auch eine Aeußerung des bekannten Sigl'schen Blattes „Das Bayrische Vaterland". Dasselbe theilt über einen Unglücklichen, der Niemanden geschädigt hat, mit: „Der Berliner Bankjude Sigismund (!) Sternberg hat sich aus finanziellen Gründen den Hals abgeschnitten. — Es tritt aber deshalb kein Judenmangel ein." — Es genügt, dies niedriger zu hängen und damit zu zeigen, wie der Antisemitismus die Gemüther verroht! Ein Vereinsmitglied schreibt uns: „Der Schulvorsteher Herr Harry Schmitt, K l e i st st r a ß e 10, hat, was besonders hervorgehoben werden muß, nicht auf Andrängen der Eltern der