Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1896)
- Article
- Berlin
- Date
- 1896-12-01
- Page
- 627 (sequence 3)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 627 Einwurf des Fragestellers, „daß die Juden doch unsittlicher seien, als die Deutschen", antwortete von Egidy, wie die '„Volkszeitung" berichtete, Folgendes: „Mit der Sittlichkeit sei es . bei den Juden durchaus nicht schlechter bestellt, als bei den Angehörigen anderer Konfessionen: B r ü s e w i tz sei kein Jude, die Parforcereiter, über deren Treiben im Laufe des Abends geklagt worden sei, seien keine Juden, unter den Korpsstudenten, die am Abend der Bismarckfeier in Hamburg gewisse Häuser ausgesucht, seien wohl auch keine Juden zu finden. Wir sollten unsere gesammten Zustände ändern, dann würden auch die bei den Juden etwa besonders vorhandenen Nebel schwinden." Das Werk des kürzlich verstorbenen Hofpredigers Fromme! „Aus der Familienchronik eines geistlichen Herrn" enthält ein „Meines Vaters Türkenpfeife" überschriebenes Kapitel. In demselben wird erzählt, daß Frommel's Vater, obgleich Nichtraucher, dennoch eine Pfeife in hohen Ehren hielt, die ihm vor vielen Jahren von einem Juden geschenkt wurde, den er und zwei andere Deutsche in Palermo vor den Mißhandlungen einer rohen Horde geschützt hatten. Nach vierzehntägigem Suchen hatte jener Jude seinenRetter vor einem Kaffeehause in Palermo wiedergefunden und hocherfreut zu ihm gesagt: „Ich bin ein armer Mann in der Fremde; aber aus der Heimath habe ich noch drei echte Pfeifen. Ich weiß, daß der Deutsche gern raucht wie ein Muselmann». Nehmet sie, und so oft ihr daraus rauchet, gedenket daran, daß Israel nicht vergißt, was man ihm Gutes thut." Dann ging er schnell fort, ohne den Dank der drei Deutschen abzuwarten. In der Erinnerung hieran wurde in des Verfassers Familie die Pfeife die „Toleranzpfeife" genannt. Daß der Sohn die edle Gesinnung des Vaters theilte, geht aus einer zweiten „Aus den: untersten Stockwerk" betitelten Erzählung hervor. In dieser berichtet der Verfasser, daß er sich auf der Schule einem hinkenden Judenknaben, dem von den Uebrigen geringschätzig behandelten „krummen Elias" herzlich anschloß. Er besuchte ihn oft an Freitag-Abenden und an jüdischen Feiertagen, nwbei er das stillbeglückte jüdische Familienleben kennen lernte. Tie Erinnerung daran hat ihn veranlaßt, seinem jüdischen Schulfreunde in dieser Erzählung ein Denkmal zu setzen. Eine größere Anzahl alter Burschenschafter hat in einer am 27. Oktober n. c. abgehaltenen Versammlung einmüthig Stellung gegen den bekannten Beschluß des A. I). C. genommen. Die Anwesenden nahmen folgende Erklärung an: „Die Versammelten erblicken in dem Beschlüsse des letzten A. D. O.-Tages, betreffend die Nichtaufnahme jüdischer Mitglieder in