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Im deutschen Reich · 1896-12-01 · Heft 12 (Dezember 1896) · p. 621

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 12 (Dezember 1896)
Article
Umschau
Date
1896-12-01
Page
621 (sequence 6)
Language
German
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Umschau. 621 Wahlkreis Kolberg-Köslin den Liberalen in die Hände gespielt habe. Auf dem vor Kurzem in einem Konferenzzimmer des Reichstages abgehaltenen De legirte nt a ge der konservativen Partei einigte man sich dahin, keine neue Parteibildung zu fördern, auch wenn diese angeblich Berührungspunkte mit dem konservativen Programm biete. Insbesondere warnte Freiherr von Manteuffel vor den Antisemiten, auf deren Bundesgenossenschaft man sich auf keinen Fall verlassen solle. Er sagte: „Die Antisemiten sind nur dann Bundesgenossen, wenn wir ihnen helfen, aber kaltlächelnd wenden sie sich ab, wenn sie uns ihre Hülfe angedeihen lassen sollen. Sie verschaffen sich zudem ihre Mandate fast' ausschließlich durch Einbrüche in unseren Besitzstand und scheuen sich vor Berührung derjenigen Wahlkreise, wo hauptsächlich ihre jüdischen Feinde sitzen." Schließlich warnt Freiherr v. Manteuffel seine Freunde eindringlich davor, lediglich eine agrarische Partei zu bilden, und er betonte die Nothwendigkeit, „jeder Demagogie" aus dem Wege zu gehen. Damit ist aber auch die Brücke abgebrochen, welche diese Partei mit dem Bunde derLandwirthe verband, der sich zwar in der von ihnen herausgegebenen Korrespondenz dagegen verwahrte, eine politische Partei zu repräsentiren, aber sich wiederholt so entschieden für das antisemitische Programm erklärte, daß daneben der volkswirthschastliche Zweck des Bundes vollständig verblaßte. Wie wenig er diesen Zweck erfüllt, wie er selbst bei der früher so oft kundgegebenen Bestrebung, den Zwischenhandel bei den Lieferungen für den Staat zu beseitigen, keine Erfolge erzielte, hat sich neuerdings wiederholt gezeigt. So hat sich u. A. das Proviantamt zu Neiße gezwungen gesehen, durch die Landrathsämter die Produzenten darauf aufmerksam zu machen, daß es bezüglich der Deckung seines Bedarfs mit Händlern in Verbindung treten müsse, wean das Angebot Seitens der Produzenten sich nicht vergrößere. Die Nutzanwendung dieser amtlichen Kundgebung liegt wahrlich nahe genug! Mit unverhohlenem Aerger konstatirt in der antisemitischen „Deutschen Zeitung" der ehemalige Rundschau-Redakteur Pr. Fr. Lange „ein Abrücken" von dem Bunde der Landwirthe und die Billigung der neuen konservativen Resolution durch das Organ des sonst von ihm hochgepriesenen Altreichskanzlers. Er schreibt: „Die „Hamburger Nachrichten" geben der W a r n u n g vor d e n Antisemiten, wie vor den Christlich-Sozialen aller Schattirungen ihren Beifall. Wenn wir r, alledem das Urtheil des F ü r ft e n B i s m a r ck zu erkennen haben, so können wir keinen Zweifel darüber lassen, daß wir diese m Urtheile nicht zustimmen." Darüber wird'der Altreichskanzler zweifellos untröstlich sein!

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