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Im deutschen Reich · 1896-12-01 · Heft 12 (Dezember 1896) · p. 620

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 12 (Dezember 1896)
Article
Umschau
Date
1896-12-01
Page
620 (sequence 5)
Language
German
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620 Im deutschen Reich. Aehnliches haben aber auch noch andereLeule alsderKonsulRenü versucht, und dem Abgeordneten Liebermann v. Sonnenberg wird es kaum entgangen sein, daß sich die Konservativen diese Vermengung nicht mehr gefallen lassen wollen. So hat neuerdings der Vorsitzende des freikonservativen neuen Wahlvereins in B r e s l a u, Landrath Kraatz, erklärt, „daß ein Zusammengehen mit den antisemitischen Elementen ausgeschlossen bleiben müsse." In Sachsen ist das Tischtuch zwischen den Konservativen und der deutsch-sozialen Reformpartei längst zerschnitten. Das Organ des konservativen L a n d e s v e r e i n s im Königreich Sachsen „Vaterland" bekämpft das Zimmermann'sche Blatt „Deutsche Wacht" in schneidigster Weise. Es brachte am 4. Dezember über „die Konsumvereine vor dem Reichstage" einen Artikel, in welchem u. A. gesagt wurde: „Wir könnten unseren Bericht darüber schließen, wenn nicht die Antisemiten den Umstand, daß in der Debatte kein Redner der konservativen Partei das Wort ergriff, zum Anlaß gegenommen Hütten, die Mittelstandsfreundlichkeit der Konservativen zu bezweifeln. Es ist dies wiederholt in der „D. Wacht" und auch in einem Vortrag des Abg. Liebermann von Sonnenberg geschehen. Nach unserer Ansicht lag dazu gar keine Veranlassung vor. Aber das Redebedürfniß gewisser Herren, die von der Tribüne des Reichstags zum Fenster hinauszusprechen gewöhnt sind, ist eben größer als ihre Einsicht. Es wird auf die Dummheit der Leser der Reichstagsberichte s p e k u l i r t, wie auf die der Theilnehmer an den Volksversammlungen." Das konservative „Chemnitzer Tagebl." beleuchtete die zwiespältige Behandlung der Frage der Konsumvereine durch die antisemitischen Führer und knüpfte daran die Bemerkung: „Gründlich satt bekommen hat der bessere Theil der Bürgerschaft das Treiben der unlauteren Geister" .... „Sie stiften überall Unheil, wo sie die Hand im Spiele haben, und ernten lediglich Dank bei den Sozialdemokraten.^— Allmählich ist es aber auch den preußischen Konservativen klar geworden, daß sie durch das antisemitische Tivoli-Programm auf eine Bahn geleitet worden sind, welche nichts weniger als „staatserhaltend" ist. Wenn das Schicksal der konservativ - antisemitischen Dioskuren Hammerstein und Stöcker sie nicht schon früher belehrt hätte, daß sie sich auf einem Irrwege befanden, so hätte das Gebühren der Leiter des Bundes der Landwirthe und der antisemitischen Politiker Liebermann von Sonnenberg, Zimmermann und von Langen sie davon überzeugen müssen, wen sie an ihrem Busen groß gezogen haben. Selbst die „Kreuzzeitung"- wandte sich neuerdings gegen das agitatorische Treiben der deutsch-sozialen Reformpartei, welche, wie sie behauptete, durch Aufstellung einer aussichtslosen Kandidatur den

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