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Im deutschen Reich · 1896-12-01 · Heft 12 (Dezember 1896) · p. 613

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 12 (Dezember 1896)
Article
Zwei Dichter
Date
1896-12-01
Page
613 (sequence 5)
Language
German
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Zwei Dichter. 613 Born ist ekler Sumpf geworden, daher die Dichtung meine Seel' verschmäht. Wie kann der Löwe Juda sich ergehen, wo der Schakale Schaar lustwandeln geht?" Aber nicht nur der Dichtung, auch der W e l t ist er geneigt, den Rücken zu wenden. Seiner Seele ruft er zu: „Erwach', wenn die Dämm'rung die Welt noch bedecket, nicht schlafe, bis selbst Dich der Morgen erwecket." Er klagt: „Wie ehern trotzig ist der Schritt der Zeit! Sie stößt uns fort, wenn sie uns angezogen... ein spielend Kind die Tafel so beschreibt und löscht's dann fort, daß nichts mehr übrig bleibt." Daher „versagt ist als Geliebte mir die Welt.. . kann ich sie lieben, da sie mich verführt?" Bei Beiden sind aber solche Stimmungen nur vorübergehende; denn Beide sind nicht nur die Verkünder ihres eigenen Gefühlslebens. Wie Walther unter den Minnesängern gerade derjenige ist, der sich in den Dienst der kirchlichen und staatlichen Zeitfragen stellt, so hat Jehuda Halevi weit über den Sang von Liebe, Wein und Freundschaft hinausgegriffen und sich als Denker und Dichter mit denjenigen Fragen, die das damalige Judenthum bewegten, sehr eingehend befaßt. Dem vielgereisten Walther stößt wie eine neue Offenbarung die Erkenutniß von der Herrlichkeit Deutschlands und der Deutschen auf. „Alles, ivas Ihr sonst vernommen, war nur Wind!" meint er mit Bezug auf seine bisherigen Lieder. Dabei giebt es kaum einen strengeren Tadler der Deutschen und ihrer Herrscher, als ihn. Jehuda Halevi preist in seinem Kusari die Erhabenheit und die weltgeschichtliche Sendung dcö Judenthumü und ist dennoch stets bereit, zuzugeben, daß auch seine Glaubensgenoffen fehlen. In den Schulen, in den Kirchen, Synagogen und Moscheen schwur man damals nicht nur auf Aristoteles, man hat auch recht viel über Gottes Wesen gegrübelt. Der Menschengeist bedurfte noch gewisser Schulformeln, um sich zu höherer Erkenntniß emporzuraffcn. Walther urtheilt anders: „Im Grübeln geht dahin die Zeit! Wenn And'rer Sinn Gott zu erforschen trachtet, mir ist sein Wesen Unerforschlichkeit.. Kann man erforschen denn, was nie erpredigt, noch ertrachtet?" Es zeugt das von großem Tiefblick, daß er die Unfruchtbarkeit und Erfolglosigkeit solcher Bemühungen. einsah. Im Kusari nimmt Jehuda Halevi die be-

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