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Im deutschen Reich · 1896-12-01 · Heft 12 (Dezember 1896) · p. 612

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 12 (Dezember 1896)
Article
Zwei Dichter
Date
1896-12-01
Page
612 (sequence 4)
Language
German
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612 3m deutschen Reich. vor Beleidigungen; stoßt den Riegel vor die Thür, laßt kein böses Wort herfür. Hütet Eure Blicke, daß ste nichts berücke! Laßt sie gute Sitte späh'n und die schlechte überfeh'n. Hütet Eure Ohren, oder Ihr seid Thoren. Laßt Ihr böse Worte drin, das verunehrt Euren Sinn." Kann er also auch die E m p f i n d u n g e n nicht nach seinem Willen lenken, so will er doch seinen Sinnen Zwang anthun und ihnen um so weniger die Zügel schießen lassen. Auch Jehuda Halevi tritt für die Berechtigung der Jugendsreude ein; er läßt sich die Lust an den Freuden des Weines nicht nehmen. „Den Kelch halt' ich in Händen und trinke daraus den Wein, wie sich die Sonn' mag wenden zum milden Mondenschein." Offenbar mußte der Dichter sich deswegen vor manchem Griesgram vertheidigen, der darin eine Ausschreitung sah. Auch e r tritt dem Uebcrschwang entgegen: „Sei nicht zu böse, nicht zu schlecht, sei nicht zu edel, zu gerecht!" Die Unvertilgbarkeit und die Lenkbarkeit der Empfindungen hat er in seinem Kusari deutlich ausgesprochen: Es ist eine Lüge, sagt er dort, von einer Vernichtung irdischer Triebe im Menschen zu reden; sie sind einmal da und sie müssen nun durch rechte Lenkung aus's Edle angewandt werde». Der Haß selbst hat seinen Werth, wenn er sich gegen das Schlechte wendet, wie andererseits das Edle durch llcberinaß in sein Gcgcntheil umschlägt. Er singt genau in dentselben Sinuc wie Walther: „Den Zauui an Deinen Mund, der wild geboren, und auch ein Hcrrscbcr sci'st Du Deinen Ohren. Im Auge wie im Herzen fließt die Duelle, die rauscht zur Thorhcit und Entartung schnelle." So lcbens- und weltsroh Walther sich zeigt, tritt ihm doch auch plötzlich die Vergänglichkeit alles Irdischen vor die Seele: „Wir müß'gen Leute saßen voll Lust, der Mühsal wir vergaßen, als uns zu seinem Dienst der Lenz entbot! O, daß das Lied wir mit der Grille sangen, statt uns zu rüsten ans des Winters Zeit!" Darum ruft er auch: „Gott geb', Frau Welt, euch gute Nacht, zur Herbcrg' gehet meine Fahrt!" Selbst von dem Dichterberufe hält er in solcher Stimmung wenig; er beklagt es, daß die „höfischen Gesänge" durch „ungefüge Töne" verdrängt würden — „sag', wer soll da Harfen gehen?" Und klagt nicht auch Jehuda Halevi darüber? „Des Sanges

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