Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1896)
- Article
- Zwei Dichter
- Date
- 1896-12-01
- Page
- 611 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Zwei Dichter. 611 kommen. „Ich will guten Mannes Trefflichkeit gern hören und sie weiter sagen," singt Walther, und schwer empfindet er's in seinen späteren Tagen, daß Männer, die ihm einst freundlich waren, nun im bequemen Eigenthum sitzend, schlaff und kühl geworden sind und ihm die Hand nicht reichen wollen. In Jehuda Halevi's Jugendgedichten zeigt es sich, mit wie freudiger Anerkennung er den Aelteren, wie Mose Jbn Esra, den Altersgenossen, wie Juda den Giat, nicht nur den Dichtern, sondern auch gelehrten Forschem, wie Jbn Migas und Baruch Albalia ohne Ziererei und ohne falsche Bescheidenheit entgegenkommt. Auch ihm ist die Treulosigkeit einzelner Freunde etwas Herbes, über das er sich hinwegzusetzen sucht. Er singt: „Von Euch, Ihr Freunde, schmerzt mich der Verrath, als wärt Ihr nie in Liebe mir genaht. Ihr fragt, ob ich gestreut der Freundschaft Samen? Ich that's, ob d'raus auch keine Früchte kamen." Er kann bei seinen hohen Lebenszielen auch ohne Genossen leben, aber ihrer vergessen kann er nicht. Was loben beide Dichter nun an ihren Freunden und was erscheint ihnen tadelnswerth? „Deine Milde," sagt Jehuda Halevi, „sie umfing mich, mich umflossen Deine Bäche, mich umfingen grüne Schatten und Dein Thau umgab mein Haupt." „Sei mit dem Munde nicht zu schnell zum Geben, wie Wolken, die sich regenlos erheben!" Bei Walther finden wir das gleiche Lob des Wohlthuns, sowie auch die gleiche Warnung: „Dem Herm, der Alles gleich gewährt, ist nicht des Gebens Kunst gelehrt. Versprechen sollst Du wen'ger, halten mehr." Wenn Beide auch die Schattenseiten der Menschen kennen gelernt haben, werden sie deshalb doch nie der Menschheit abhold. Sie kennen auch ihre eigenen Fehler und überschätzen sich selbst nicht. Walther vcrtheidigt die Minne und den Minnegesang gegen die Angriffe überstrenger Sittenprediger und bittet, man möge ihm seine harmlosen Freuden lassen und nicht verkümmern. Er spricht einmal sogar ein Wort aus, das ihn scheinbar in Gegensatz zu berühmten Aussprüchen seines eigenen Glaubens bringt: „Nicht kann ich lieben jenen Mann, der mir nur Böses thut; nein! Der steht näher meinem Sinn, der gegen mich ist gut. Verzeih' mir, Gott, all' meine Schuld. Ich bleibe so gemuth." Eine Mahnung zur rechten Mäßigung enthalten seine Verse: „Hütet Eure Zungen 42*