Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1896)
- Article
- Aus lichteren Tagen
- Date
- 1896-12-01
- Page
- 605 (sequence 5)
- Language
- German
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Aus lichteren Tagen. 605 eben darum schien es ihm doppelt Pflicht, über sich selber zu wachen, damit ihm diese Empfindung nicht die Unbefangenheit des moralischen, und namentlich auch des ästhetischen Urtheils verkümmere. Es war natürlich, daß er an jedem begabten jüdischen Dichter, wie an jedem begabten Christen, der sich judenfreundlich erwies, seine Freude hatte. Aber gleichzeitig prüfte er sich sorglich, ob seine Freude nickt etwa nur dem Juden oder Judenfreund gelte. So auch, als ihm auf seiner italienischen Reise im Jahre 1836 zu Mailand ein armer, bedauernswerther Bruder in Apoll begegnete, der schon damals sehr leidend war und kurz darauf starb. Es war dies der 18V6 zu Leitmeritz geborene Joseph Emanuel Hilscher, eines Soldaten Sohn und selber Soldat, der sich in seinen kärglichen Mußestunden durch Begabung und eisernen Fleiß zu einem vorzüglichen Uebersetzer, namentlich Byrons, emporgearbeitet hatte. Seine Schicksale — er hatte es nur zum Fourier gebracht und mußte trotz seines Lungenleidens einen sehr angestrengten Dienst versehen — ferner seine mustergiltige Uebersetzung von Byrons „Hebrew melodies“, endlich die warme, in der Dankbarkeit wurzelnde Empfindung des armen Mannes für Juden und Judenthum wandte ihm Frankl's Sympathie zu. Er suchte das Loos des Dahinsiechenden nack Kräften zu erleichtern, gab nach Hilscher's frühem Tode (1837) seine Werke heraus, suchte aber auch in der Folge das Andenken des Dichters, namentlich bei seinen deutsch-böhmischen Landsleuten, wach zu erhalten, und beschloß darum auch, in Leitmeritz die Enthüllung einer Hilscher- Büste anzuregen. Die Anregung fiel auf fruchtbaren Boden; in Frankl aber regten sich, als man ihn aufforderte, sich nun hervorragend an den Komitee-Arbeiten zu betheiligen, Bedenken, ob er da nicht, da feine jüdische Empfindung an der Sympathie für Hilscher unzweifelhaft ihr Theil hatte, zu weit gegangen. Er beschloß, Grün darüber zu befragen. Ob er dies Moment in seiner Anfrage berührt, wiffen wir nicht; sie liegt uns nicht vor, wohl aber das Antwortschreiben Grün's, das Frankl's Bedenken, freilich auch ohne den eben angedeuteten Punkt zu streifen, zu beschwichtigen sucht. Der Brief lautet: