Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1896)
- Article
- Aus lichteren Tagen
- Date
- 1896-12-01
- Page
- 606 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2316602-2316611-2316623-2319566--01834-2319635- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
606 Im deutschen Reich. Gratz, 20. Oktober 1861. Geehrter Freund! Vor allem muß ich Ihnen meine herzliche Freude darüber ausdrücken. Sie aus den Böhmischen Bädern rück' gekehrt und zwar, wie Sie selbst sagen, „gebessert" rückgekehrt zu wissen. Ich hoffe, die Besserung ist und bleibt eine gründliche und dauerhafte! Ich habe im Laufe des Sommers wiederholt an Ihren Pforten erfolglose Besuchs-Versuche erneuert, bis ich endliä, durch Ihren Döbling-Genossen Kuranda zu meinem Leidwesen Ihre Erkrankung und Abreise ins Bad erfuhr. Sie haben es richtig errathen, daß ich einige Tage während der Weinlese zwischen meinen Rebenhügeln zugebracht habe; aber die Sehnsucht nach dem Familienleben, das ich so lange entbehren mußte, trieb mich bald wieder hierher. Auch darin haben Sie das Nichtige getroffen, daß Heuer in meinem Hause (ich muß sagen gottlob und leider!) mehr Wein als in jenem desReichsrathes gekeltert wurde. Wie aber trotz Traubenkrankheit und Dürre die Lese besser ausgefallen ist, als man erwartete, so hoffe ich, wird auch der Reichsrath trotz Reactionsgelüsten im Ober- und trotz Rationalitätsscbwindel und Doktrinarismus im Unteryause denn doch endlich und schließlich einen gesunden und genießbaren Haustrunk keltern, welchem, wenn einst die Speisung mit dem magyarischen Feuerwein hinzutritt, auch Kraft und Haltbarkeit nicht fehlen dürfte. Freilich muß sich bis dahin noch manches Gährende abklären und manche Hefe lagern. Das Vorhaben der Leitm eritzer, ihrem Landsmanne H i l s ch e r ein Denkmal zu setzen, reiht sich ganz folgerichtig an eine andere wackere That derselben im deutschen Sinne, nämlich ihren bekannten Protest gegen Ezechisirung der Schule. Wenn ohne Uebertreibung ein gewisses Ebenmaß zwischen der anerkannten Bedeutung des Mannes und den Formen und Dimensionen des ihm gewidmeten ErinncrungSmales innegehalten wird, kann ich nichts Bedenkliches in der Ausführung jenes Planes sehen.