Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1896)
- Article
- Aus lichteren Tagen
- Date
- 1896-12-01
- Page
- 604 (sequence 4)
- Language
- German
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604 Im deutschen Reich. Mein verehrter Freund! Ihr Brief, der mir am 5: d. M. zukam, traf noch einen Glücklichen! und Ihre herzlichen Glückwünsche erfreuten uns doppelt, weil Sie aus Ihrem Gemüthe, von Ihren Lippen kamen, doppelt. „Drei stattliche Bursche, das giebt in dem Herzen der Eltern einen gar lieblichen Dreiklang!" Der Dreiklang ist zerrisien. Ich half gestern meinen ältesten Knaben Egon zu Grabe tragen. Noch blühend und schön, war er am andern Tage tobt, hingerafft durch häutige Bräune. Die Mutter ist noch Wöchnerin, sie kann, die leidenschaftlich an ihrem Erstgeborenen hing, den Tod davon haben. Ich habe noch zwei Kinder und doch fühle ich mich so verarmt. Ich bin innerlich aufgerieben, ich weiß, dieser Schmerz — ich habe deren schon so viele erlebt — wird milder werden, und dieses Wissen schärft mir den Schmerz noch mehr. Ich fühle tief, wie sehr ich Ihnen anhänge, wie sehr ich Sie verehre, weil ich es Ihnen nicht ersparen kann meinen Schmerzensschrei zu vernehmen. Sie sind der Einzige, dem ich von meinem Verluste schreibe. Es gewährt mir keinen Trost, und doch muß ich es Ihnen sagen. Ein Wort von Ihnen wäre mir vielleicht eine augenblickliche Beruhigung, und doch bitte ich Sie, nicht zu uns zu kommen, es ist ein Haus voll entsetzlicher Trauer! Mögen Sie nie einen gleichen Schmerz erleben! Es ist der beste, der heißeste Seelenwunsch, den ich Ihnen bieten kann. Wenn ich kann, werde ich nächste Woche zu Ihnen kommen. Haben Sie Mitleid mit uns. Wien, 11. August 1862. Frankl. Frankl hatte ein warmes Herz für Juden und Judenthum; er hat dies sein Leben lang in Wort und That erwiesen. Aber