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Im deutschen Reich · 1896-11-01 · Heft 11 (November 1896) · p. 566

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 11 (November 1896)
Article
Umschau
Date
1896-11-01
Page
566 (sequence 8)
Language
German
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666 Im deutschen Reich. .Der letzte A. JD. 0. der Deutschen Burschenschaften hat den Beschluß gefaßt, daß es erwünscht sei, wenn fortan keine Burschenschaft mehr Juden in ihren Verband aufnimmt. Die Unterzeichneten, im oberschlesischen Jndustriebezirk wohnhaften Alten Herren der Deutschen Burschenschaft erheben lebhaften Einspruch gegen diesen Beschluß und hoffen, daß überall, wo sich Vereinigungen alter Burschenschaften gebildet haben, dieselbe einmüthige Mißbilligung und scharfe Zurückweisung jenes Beschlusses erfolgen wird, wie dies unsererseits geschieht. Der Freiheitsgedanke und der Geist vorurtheilsloser Duldsamkeit hat der Deutschen Burschenschaft bisherlstets und überall ihre besondere Zier gegeben. Ohne Ansehen der Geburt und des religiösen Bekenntnisses haben alle deutschen Studenten, die sich im idealen Streben für Freiheit, Vaterland und Ehre in ihr zusammengefunden hatten, für die hohen Aufgaben der Burschenschaft zusammengewirkt. Schulter an Schulter haben Christen und Juden in ihr gekämpft für die Errungenschaften der Freiheit, und — als es Noch thnt — auch für des Vaterlandes Ruhm und Größe. Eine Scheidung nach konfessionellen Bekenntnissen war unerhört in der deutschen Burschenschaft! Ueberaus zahlreich sind die Angehörigen der jüdischen Konfession, welche in den einzelnen Burschenschaften hervorragende Stellungen errungen und an dem Emporblühen ihrer Lerbindungen in verdienstvoller Weise mitgewirkt haben. Und aus dem brüderlichen Zusammensein während der fröhlichen Burschenzeit ist in unzähligen Fällen zwischen Christen und Juden innigste Freundschaft erwachsen für's ganze Leben. Mit banger ernster Sorge sahen wir alten Herren unter der jüngeren Generation eine Bewegung sich entfalten, die „Klassen-Haß" und .Rassen-Haß" predigt und Unduldsamkeit übt. Wir weisen solchen sinstern Geist, der weder deutsch noch christlich ist, der den altgeheiligten Grundsätzen der deutschen Burschenschaft Hohn spricht und die Bande inniger Freundschaft unter Bnndesbrüdern verschiedener Konfession zu zerreißen trachtet, weit von uns zurück. Dieser Geist mißachtet die Freiheit, deren erste Grundsorderung die Anerkennung der völligen Gleichberechtigung aller Bürger ist; er verletzt die Ehre der Kommilitonen in ungehöriger Weise, indem er dieselben ohne Grund für nicht gesellschaftsfähig erklärt und er widerstreitet dem Vaterlands-Sinn, weil er die Bürger — die zu einmütigem Schutze des Vaterlandes und seiner Interessen berufen sind, in Feindschaft zu trennen sucht. Ein Beharren auf dem emgangserwähnten Beschlüsse muß zu einer Trennung der alten Burschenschafter von den aktiven Burschenschaften führen. Vereinigungen im Zeichen des Antisemitismus haben nach unserer Ansicht kein Recht den stolzen Namen .Burschenschaft" weiter zu führen. Düs Ansehen und die Ehre der deutschen Burschenschaft verlangt es deshalb, daß jener Beschluß alsbald wieder beseitigt und daß die gesährdete Eintracht der alten und jungen Burschenschafter durch einmütiges. rückhaltloses Bekennen zu dem Geiste der Duldsamkeit, der immerdar eine Zier der deutschen Burschenschaft bleiben muß, wieder hergestellt werde."

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