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Im deutschen Reich · 1896-11-01 · Heft 11 (November 1896) · p. 564

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 11 (November 1896)
Article
Umschau
Date
1896-11-01
Page
564 (sequence 6)
Language
German
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664 3m deutschen Reich. im Keime zu ersticken, als schweige sie zu Vorgängen, die an russische Verhältnisse, in denen der Rubel herrscht, sehr rege erinnern. Diese Bestechlichkeit der Hypothekenbeamten hat es ermöglicht, daß in Hessen vor Jahren die Bauern von den Juden ausgewuchert wurden. Dort war es unsere Partei, die diese unwürdigen „Geschäfte" dieser Beamten aufdeckte und das hessische Volk von ihnen befreite. An die Möglichkeit, daß diese „Geschäfte" auch in Dresden von einem Beamten getrieben werden könnten, hat wohl Niemand gedacht. Leider scheint es aber doch der Fall zu sein." Solche Erfahrungen sollten dazu dienen, die Deutsche Reformpartei in Sachsen darauf hinzuweisen, die Korruption zu bekämpfen, wo sie sich findet, statt die 10000 Juden, welche in Sachsen leben und mit ganz verschwindenden Ausnahmen sich höchst achtbar führen, insgesammt zu verdächtigen und anzufeinden. Daß der boykottirende Geschäftsantisemitismus nicht mehr recht zieht, zeigt sich jetzt selbst in Dresden, denn bei dem letzten Jahrmarkt schrieb das dortige Antisemitenblatt: „Vor dem Johanneum auf dem Neumarkte hat ein ganzes Rudel Juden seine Verkaufsstände aufgeschlagen. Sämmtliche Juden haben nicht, wie die christlichen Händler, gut sehbare Firmen, sondern im Hintergründe der Bude auf ein Stückchen alten Pappkastendeckel, mit Bleistift geschrieben, ihren Namen verzeichnet. Die Frauenwelt drückt sich in diesen Buden reihen bald todt, während die mit sichtbaren deutschen Firmen versehenen Verkaufsstände leer sind." Unter den 14 Mainzer Bürgern, welche sich vor der Reichstagsersatzwahl bei der Bürgermeisterei darüber beschwerten, daß diese anfangs Bedenken trug, für ine antisemitische Wahlversammlung einen Saal zu überlassen, befanden sich nicht weniger als fünfGpmnasiallehrer,die sich also öffentlich als Anhänger des antisemitischen Kandidaten Wolf erklärten, trotzdem als nationalliberaler Kandidat der O b e r s ch u l - rath Soldan aufgestellt war. Dem Verlangen eines Theils der Mainzer Presse, daß dieseHerren wegen ihres Vorgehens zurRechenschast gezogen werden, möchten wir uns nicht anschließen. Der antisemitische Geometer Wolf-Stadecken brachte es nur auf 847, der nationalliberale Oberschulrath Soldan immerhin auf 3142 Stimmen, während die Stichwahl zwischen dem Sozialdemokraten Dr. David und dem Centrumskandidaten Dr. Schmitt stattfand, wobei der ultramontane Kandidat mit nur kleiner Stimmenmehrheit den Sieg davontrug. Erfolgreicher operirten die Antisemiten bei der Reichstagsersatzwahl in Gießen, wo in Folge der Zersplitterung der liberalen Parteien ihr Kandidat, der Postagent Köhler, mit dem Sozialdemokraten Scheidemann zur Stichwahl gelangte. Obgleich der nationalliberale Reichstagsabgeordnete

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