Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 11 (November 1896)
- Article
- Umschau
- Date
- 1896-11-01
- Page
- 560 (sequence 2)
- Language
- German
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560 Im deutschen Reich. Dauer auch gefährlich wie die schlimm st enOrgien des Hexenwahnes im 17. Jahrhundert. In der Zurückdämmung dieser trüben Fluth von unserem Vaterlande darf man in erster Linie auf den deutschen Episkopat rechnen, denn „die Kirche ist die geschworene Feindin des Aberglaubens; und sie allein vermag ihn in wirksamer Weise zu bekämpfen (Bischof Simar, Der Aberglaube S. 52). Die kirchlichen Autoritäten werden — das ist unsere Ueberzeugung — auf diesem Gebiete prüfen, warnen und nöthigenfalls mit voller Entschiedenheit einschreiten. Weil es sich bei dem Uebernatürlichen um außerordentliche Werke oder Zulassungen Gottes handelt, kann die Kirche es nicht dulden, daß durch Leichtgläubigkeit, durch Selbsttäuschung oder Trug die Majestät Gottes und seine Weltregierung verunehrt, oder ihr eigener Glaube an dieselbe, wenn auch nur scheinbar, in den Augen der ungläubigen Welt kompromittirt werd e." Wenn die Gefährlichkeit des an die schlimmsten Orgien des Hexenwahnes erinnernden antisemitischen Spuks von den kirchlichen Autoritäten erst vollständig erkannt werden wird, dann dürfte Rohling und Deckert ebenso wie Stöcker das traurige Handwerk gelegt werden, „bei dem man unmöglich selig werden kann". Zunächst scheint dazu noch geringe Aussicht zu sein, wenn auch in evangelischen wie in . katholischen Kreisen mehr und mehr Stimmen, wie diejenige der „Köln. Volkszeitung", laut werden. Wie von der Berliner „Volks-Zeitung" berichtet worden ist, hätte der Evangelische Oberkirchenrath vor der Wahl des Herrn Stöcker in den Vorstand der Brandenburgischen Provinzial-Syn o d e Bedenken gegen die Absicht der Wahl geltend gemacht und der Kaiser es in unzweideutigster Weise abgelehnt, außer dem ersten Vorsitzenden der Synode, von Levetzow, auch den ehemaligen Hofprediger zu empfangen. Der „Mann mit der eisernen Maske" dürfte diese Zurückweisung schwerer empfunden haben, als er zu zeigen für gut findet. Hat er es doch in seiner Klageschrift gegen den Redakteur der „Neuen Saarbrücker Ztg.", Schwuchow, als besonders ehrenkränkend hervorgehoben, daß in der von Schwuchow wiedergegebenen Rede des Freiherrn von Stumm versichert wurde, „daß der König als höchster Bischof der evangelischen Landeskirche die an Stöcker öffentlich geübte Kritik uneingeschränktest und ausdrücklichst gebilligt habe." In der Verbreitung dieser Behauptung erklärte er eine „nicht erweislich wahre Thatsache" zu erblicken, „welche geeignet sei, ihn in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen und ihn zu beleidigen." Da das