Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 11 (November 1896)
- Article
- Ein Nachklang von Lessing's "Nathan"
- Date
- 1896-11-01
- Page
- 557 (sequence 7)
- Language
- German
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Ein Nachklang von Lessin g's „Nathan". 557 leichsam wetteifernd untergraben, als ob sie Belagerer oder gemiethete einde wären, steht dennoch dieser Bau so fest und in solcher Herrlichkeit und breitet sich nach allen Seiten aus und überstrahlt ie Welt. Wie könnte das sein, wenn nicht eine geheime göttliche rast darin wohnte, die der ruchlosen Wuth spottet und den Bau es Herrn beschützt? Da beschloß ich denn, mich zum Christenthum i wenden und bin eben zu dir gekommen, um dich mit dieser tachricht zu erfreuen". Schon jauchzte der Marchese über diesen unerwarteten Schluß er Geschichte auf, aber Pennina fuhr fort: „Die Erscheinungen der wüsten und verworrenen Zeit, in lelcher Abraham diese Stadt sah, haben Einiges von ihrer Häßichkeit, vieles von ihrem Glanze verloren. Ein Theil der Völker, irlche damals das Licht ihres Glaubens in Rom anzündeten, haben ich zu anderen Altären hingewendet, viele Einzelne sind nur durch iußere Bande an diese Kirche geknüpft; die römische Kirche ist nur .och ein großes Bruchstück dessen, was sie damals war, obschon ein ehr herrliches, wie die Ueberbleibsel des großen, mächtigen Volkes, >as vormals auf diesem nämlichen Boden gewohnt, seinen Göttern )pfer und Gebete dargebracht und sich Jahrhunderte hindurch ihres Schutzes zu erfreuen geglaubt hatte. So wie nun jenes übermächtige Volk und sein prunkender Gottesdienst bis auf die todten Zeugen eines ehemaligen Daseins verschwunden sind, so könnte ich vorrhnend sagen, der Bau der Kirche wankt; ihre Pfeiler sind morsch; überall gähnen die Mauern von Spalten und Rissen; warum soll ich in ein Gebäude ziehen, das mit dem Einsturz droht? Aber nie möge eine solche Anmaßung in meine Seele kommen! Wie möchte ich irgend eine Art der Gottesverehrung tadeln oder verurtheilen, die Tausenden von Menschen Trost und Beruhigung giebt und also gewiß auch ein Werk des Gottes ist, der seine Kinder, so verschieden an Farbe, Sprache und Sitte, auf mehr als eine Weise liebt." So sehr hier auch deutlich genug dem Katholizismus gegenüber die Stellung des Protestanten gewahrt ist, athmet die ganze Aeußerung eine wahrhaft ethische Gesinnung, die Jacobs in der Schule der Alten gelernt hat. Eine Aeußerung der Jüdin in Jacobs' Werk ist aber von besonderem Werthe für die Beurtheilung der Antisemitenfrage. Als