Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 11 (November 1896)
- Article
- Ein Nachklang von Lessing's "Nathan"
- Date
- 1896-11-01
- Page
- 558 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2316602-2316611-2316622-2319399--01716-2319498- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
558 3m deutschen Reich. Pennina von den Unterdrückungen, die das jüdische Volk zu erdulden hat, hört, sagt sie: „Also überall und von allen Seiten Unterdrückung, Schmach, Demüthigungen jeder Art; peinlich an sich, doppelt und zehnfach peinlich aber nach dem kurzen Genuß eines menschlichen Daseins, durch das mein armes Volk der Verachtung entrissen und allmählich von den Gebrechen gereinigt werden sollte, die ihm seine Quäler und Unterdrücker täglich einimpfen, um sie ihm vorzuwerfen." Versöhnend und ganz im Geiste Lessings lauten gegen den Schluß des Werkes die Worte des Marchese: „Eine große Lehre Hab' ich gelernt, daß die herrlichsten und ehrwürdigsten Tugenden in jedem Glauben und unter jedem Volke gedeihen." Das sind Gedanken, die wohl werth sind, der Vergessenheit entrückt zu worden. Der edle Geist, den sie athmen, weht durch sämmtliche Werke dieses deutschen Erzählers. Vornehme Gesinnung, weiches Gemüth, ein ungemein zartbeseitetes Feingefühl zeichnen ihn aus und machen seine Werke lesenswert!), so altmodisch Einzelnes auch erscheinen mag. Altmodisch wird man in unserer schnelllebigen Zeit ja nur allzubald. ES leben Autoren unter uns, die jetzt schon bei Lebzeiten veraltet sind. Altmodisch erscheint uns Jakobs durch eine uns fremd gewordene Sentimentalität. Was für diese übergroße Empfindsamkeit früherer Tage reich entschädigt, ist die Gedankenfülle, dicmanbeidenErzählern unsererTagenichthäufig findet, und die edle Vorurtheilslosigkeit, die durch das wilde Parteileben unserer Zeit nur noch in seltenen Fällen zur Erscheinung gelangt. Dresden. Eugen Jsolani.