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Im deutschen Reich · 1896-11-01 · Heft 11 (November 1896) · p. 553

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 11 (November 1896)
Article
Ein Nachklang von Lessing's "Nathan"
Date
1896-11-01
Page
553 (sequence 3)
Language
German
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Lin Nachklang von Lessing's „Nathan". 533 rber ein vornehmer Charakter und schätzt den rechtlich denkendm 9en-Naphtali viel zu hoch, um dies Unrecht nicht wieder gut zu inachen. Miß Morton bittet Pennina um Verzeihung und wird in m Folgezeit eine so gute Freundin der Jüdin, daß diese, die vordem vas leibliche Wohl der Engländerin gerettet, nun ihr seelisches zu retten Gelegenheit hat, denn die schwärmerisch veranlagte Miß Morton war in Gefahr geraten, den Ueberredungskünsten eines Jesuiten zu erliegen und ohne Wissen des Vaters zum Katholizismus überzutreten. Durch eine Unterredung mit der Jüdin über Glaubensfragen wird dies verhütet. Während der Jesuit, der ihr vorher in einem edlen Lichte erschienen, entlarvt wird, wird dem Katholizismus in der Erzählung von Jacobs volle Achtung gezollt. Vergeblich bietet der Marchese Tralasaquas, der die schöne Jüdin liebt, dieser seine Hand an. Tralasaquas stirbt aus Liebesgram und hinterläßt der Jüdin sein Riesenvermögen. Da in der Nebenfigur eines jüdischen Knaben unedle Züge sichtbar werden, sind Licht und Schatten ziemlich gleichmäßig über alle drei Konfessionen vertheilt, und harmonisch schließt die Erzählung mit einer Verherrlichung der allgemeinen Menschenliebe. Die Engländerin und die Jüdin widmen sich den Werken der Wohlthätigkeit; sie helfen Kranken und Hilfsbedürftigen, welchen Glaubens sie auch seien. Die Jüdin bestimmt einen Theil ihres Vermögens zur Erhaltung einer Schule für jüdische Kinder, einen andern für die unwissende und bedürftige Jugend katholischer Irländer. Was dieser Erzählung dauernden Wert verleiht und sie der Bezeichnung eines Nachklanges von Lessing's „Nathan" würdig macht, sind die darin enthaltenen geistvollen Gespräche über Religionsfragen. Die glaubensstarke und charakterfeste Pennina erscheint dabei fast als ein „weiblicher Nathan". Als sie in einem Gespräch mit der Engländerin diese von ihren seelischen Zweifeln errettet, erklärt sie: „Ich folge dem Glauben meiner Väter aus inniger Ueberzeugung, weil es ein alter und inniger Glaube ist. Sie hatten ihn aus Gottes Händen empfangen; er war durch Wunder bestätigt; alle Verheißungen des Himmels waren an diesen Glauben geknüpft. Im Vertrauen auf diese Verheißungen dienten sie dem einzigen Gotte, überall und in allen Verhältnissen, in der Knechtschaft Aegyptens, in der Wüste, im Lande der Verheißung; und wenn sie abwichen vom Gotte Abrahams, Isaaks und Jakobs, büßten sie 38

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