Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 11 (November 1896)
- Article
- Ein Nachklang von Lessing's "Nathan"
- Date
- 1896-11-01
- Page
- 552 (sequence 2)
- Language
- German
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552 3m deutschen Reich. Friedrich Jacobs weilte als Kronprinzenerzieher nur drei Jahre in München. Die übrige Zeit seines Lebens widmete er der Thätigkeit an den Lehranstalten seiner Geburtsstadt Gotha, wo er auch am 30. März 1847 starb. Er hat zahlreiche Schriften rein philologischer Art verfaßt, griechische Klassiker neu herausgegeben und römische und griechische Autoren übersetzt. Nebenbei entwickelte er als Belletrist eine umfangreiche Thätigkeit. Diese seine Werke „Alwin und Theodor", „Rosaliens Nachlaß", „Feierabende in Mainau", „Die beiden Marien" und andere waren einst sehr geschätzt, — und noch heute finden sich in gutenSchullesebüchern Bruchstücke vonJacobs'schenErzählungen Von seinen Fachgenoffen wurde dem Philologen „die Herablassung des klassischen Gelehrten zum Belletristen" verdacht, und doch sind es zumeist diese belletristischen Werke, denen es Jacobs zu danken hat, daß er nicht ganz vergessen worden ist, wird sein Name doch in jeder Literaturgeschichte als der eines fruchtbaren und seinerzeit vielgelesenen Autors genannt. Vornehmlich gilt dies von einer Erzählung, die als ein Nachklang von Lessing's „Nathan" bezeichnet werden kann. Protestantischer, katholischer und jüdischer Glaube kommen in derselben in Konflikt. Diese Erzählung, „Die Katakomben", zeichnet sich durch ungemein lebendige Schilderung der Charaktere aus, wogegen die Charakteristik der Zeit keineswegs immer richtig getroffen erscheint. Die in Italien spielende Geschichte sollte wohl, als sie in den dreißiger Jahren erschien, des Verfaffers eigene Zeit wiederspiegeln. Ein vornehmer Engländer lebt mit seiner Tochter in Neapel, wo er mit einem alten jüdischen Bankier Nathan Ben Naphthali durch dessen Fertigkeit im Schachspiele eng verbunden ist. Die Tochter, eine überspannte Schwärmerin, die ohne Wissen und Willen des Vaters mit einerFreundin dieKatakomben besucht,verirrtsich in denselben und geräth in Gefahr in diesen Grüften des Todes umzukommen, wird aber durchBen-Naphtali'sTochter,Pennina, gerettet,der bei dieser Rettung der Marchese Tralasaquas aus dem Stamm der Inkas behilflich ist. Als Miß Morton vernimmt, von wem ihr die Rettung geworden, macht sie eine verächtliche Bemerkung darüber, daß sie einer Jüdin ihr Leben verdanke, und tief gekränkt geht Pennina heim. Sir Arthur Morton, der Vater der Geretteten, ist