Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 11 (November 1896)
- Article
- Ein Nachklang von Lessing's "Nathan"
- Date
- 1896-11-01
- Page
- 551 (sequence 1)
- Language
- German
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551 Ein Nachklang von Lessing's „Nathan". Je mehr die antisemitische Partei bemüht ist, aus den Werken nicht nur deutscher Dichter und Denker, sondern auch ausländischer Autoren jeden Satz herauszuschälen, der aus dem Zusammenhang gelöst, wohl in judenfeindlichem Sinne verstanden oder, richtiger gesagt, oft mißverstanden werden kann, um so mehr haben wir Veranlassung, auf diejenigen Schriftsteller hinzuweisen, deren wahrhaft humane Gesinnung sich aus ihren Werken unzweifelhaft ergiebt. Mehr und mehr ist es Sitte geworden, hervorragender Geister an den Tagen zu gedenken, an welchen sich ein ganzes oder ein halbes Säkulum nach ihrer Geburt vollendet. In wenigen Monaten nun wird. ein halbes Jahrhundert vergangen sein, seit ein deutscher Dichter und Denker verschied, der zu jenen Verkündern duldsamer Anschauungen gezählt werden darf. Seine Schriften sind, heute zumeist, in unverdienter Weise vergeflen. Um so mehr aber erscheint es angezeigt, auf dieselben und aus ihren Urheber hinzuweisen. Von Friedrich Jacobs soll hier die Rede sein, dem am 6. Oktober 1764 in Gotha geborenen Humanisten und Schriftsteller, besten hervorragende Eigenschaften einst den König Maximilian Joseph von Bayern bewogen haben, ihn zum Erzieher seines Sohnes, des späteren König Ludwig I. von Bayern, zu ernennen. Sicherlich hat der klassisch gebildete Geist seines Lehrers Friedrich Jacobs nicht unwesentlich dazu beigetragen, daß unter diesem hochbegabten Könige, dem Vater des jetzigen Prinzregenten Luitpold, in Bayern Künste und Wissenschaften so herrlich blühten. Bekanntlich verwendete Ludwig auch noch nach seiner 1848 erfolgten Abdankung große Mittel seines'Privatvermögens auf Kunstsammlungen und Bauten.