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Im deutschen Reich · 1896-10-01 · Heft 10 (Oktober 1896) · p. 528

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 10 (Oktober 1896)
Article
Vereinsnachrichten
Date
1896-10-01
Page
528 (sequence 3)
Language
German
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528 Im deutschen Reich. sohn den Wiedereintritt der Juden in die deutsche Kultur herbeiführte und durch seine Uebersetzung des Pentateuchs seine Glaubensgenossen von dem Talmud zum Bibelstudium, vom Jargon zur reinen deutschen Sprache zurückleitete. Seine Schüler setzten das Werk erfolgreich fort, aber mit der Selbsterziehung der deutschen Juden hielt die Anerkennung seitens des Staates nicht gleichen Schritt. Erst unter Hardenberg begann in Preußen das Werk der Emanzipation und bald darauf zogen viele Hunderte jüdische Freiwillige in den Kampf für das Vaterland. Bei den Anfängen der bürgerlichen Gleichberechtigung hatten Viele den Zusammenhang mit dem Judenthum verloren; in den Jahren der Reaktion lernten sie sich auf sich selbst besinnen. Im Jahre 1819 entstand der Berliner Kulturverein und ein Dezennium darauf trat Gabriel Rießer hervor, der in seiner Zeitschrift „Der Jude" den Standpunkt vertrat, daß man durch das. Opfer der religiösen Ueberzeugung kein Deutscher werde, daß der deutsche Jude aber wie jeder Andere seinem deutschen Vaterland angehöre. Nachdem der Vortragende den weiteren Gang der Emanzipation geschildert hatte, betonte er die Pflicht, uns nicht entreißen zu lassen, was die Väter in heißem Ringen erkämpft haben, vielmehr die jüdische religiöse Kultur zu erhalten und in den Dienst des Vaterlandes zu stellen. Von den Juden gelte das Wort: „Setz' dir Perrücken auf von Millionen Locken, setz' deinen Fuß auf ellenhohe Socken, du bleibst doch immer was du bist!" Mit Nullen an Charakter und Ueberzeugung sei dem deutschen Vaterlande nicht gedient. Je treuer wir als Juden sind, desto bessere Deutsche werden wir sein! Treu unserm Vater, unserm Gott, treu unserer Mutter: Deutschland! Wiederholt wurde der Redner von lebhaften Beifallskundgebungen unterbrochen und am Schlüsse des Vortrages ertönte wiederum langanhaltender Beifall. Der Vorsitzende betonte hierauf den hohen Werth der von dem Redner gebotenen Darlegungen der geschichtlichen Entwickelung des Verhältnisses der deutschen Juden zu ihrem Vaterlande, welche so recht gezeigt hätten, daß dieses Verhältniß nur dann getrübt wurde, wenn das deutsche Volk nicht auf seiner Höhe stand. Das Vorbild des ehemaligen Vizepräsidenten des Frankfurter Parlaments, des deutschen Juden Gabriel Rießer, hat gezeigt, wie die deutschen Juden Vaterlandsliebe pflegen, für ihr gutes Recht kämpfen und dabei ihrem Glauben treu bleiben sollen. Daß diese in den Kreisen des Central-Vereins vorhandenen Gesinnungen durch den Vortrag des Herrn Dr. Seligmann neu befestigt worden sind, verdient die dankbarste Anerkennung, welcher auf Anregung des Vorsitzenden

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