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Im deutschen Reich · 1896-10-01 · Heft 10 (Oktober 1896) · p. 513

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 10 (Oktober 1896)
Article
Berlin
Date
1896-10-01
Page
513 (sequence 4)
Language
German
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Korrespondenzen. 613 Presse zu heftigen Ausfällen gegen die Verwaltung der Fabrik, ferner die „Deutsche Fleischer-Ztg." zu der Behauptung, daß die Firma Jsaa! nur dadurch die Lieferung erhielt, daß sie nur den Bruchtheil eines Pfennigs pro Pfund Mindestfordernde war. Die Begünstigung eines Juden gegen das Interesse des Fiskus, ein Verdacht. über welchen die preußische Militärverwaltung ohnehin erhaben ist, liegt aber hierbei um so weniger vor, als der vorige christliche Lieferant nach den bei dem Geschäft gemachten Erfahrungen sich nicht wieder um die Lieferung beworben hat. Hätte die Verwaltung die Lieferung einem Anderen übertragen, so hätte sie ihre und der Steuerzahler Kasse nicht „um den Bruchtheil eines Pfennigs", sondern um viele Tausend Mark geschädigt. Das Oberseeamt in Berlin beschäftigte sich kürzlich mit dem Verschulden der Führer des deutschen Dampfers „Hermann", in dessen Ballasttank im Januar d. I. sechs jüdische Auswanderer aus Rußland, die mit fünfzehn Genossen in dem engen Raum versteckt waren, erstickt sind. Dem Steuermann Dreesen aus ^lpenrade wurde das Schiffer- und Steuermannspatent entzogen. Dem Kapitän Lorenzen ist durch den Spruch des Oberseeamts das Kapitänspatent entzogen worden, da er sofort nach Libau hätte zurückkehren müssen, nachdem die Erstickten in dem Tank entdeckt worden waren. Das Patent als Steuermann wurde ihm jedoch belassen. Von ärztlicher Seite wird uns geschrieben: „In antisemitischen Blättern wird behauptet, die Gegnerschaft gegen die staatlichen Ehrengerichte fürAerzte werde im Wesentlichen von jüdischen Aerzten gebildet und geleitet. Diese Behauptung ist durch nichts berechtigt. In den elf Standesvereinen des nach antisemitischen Begriffen „verjudeten" Berlins sind beispielsweise neun für die geplante Einrichtung eingetreten. Zahlreiche jüdische Aerzte haben sich in der medizinischen Fachpresse für dieEhrengerichte erklärt. Nur hat man gegen eine Reihe von Bestimmungen Front gemacht, hinter denen sich rückschrittliche Tendenzen verbergen, so gegen den Paragraphen, welcher den Ehrengerichten auch die Beaufsichtigung des Arztes bezüglich seines Verhaltens außerhalb des Berufes zuertheilt wissen will, ferner gegen die Zusammensetzung der Ehrengerichte, in deaen beamteten Aerzten, bezw. Regierungsvertretern die Majorität gesichert wird, gegen die Bestimmung, daß beamtete Aerzte und Militärärzte zwar über praktische Aerzte zu Gerichte sitzen, selbst aber diesem Gerichte nicht unterworfen sein wollen u. dgl. m. Der Widerstand richtet sich weniger gegen den Entwurf im Prinzip, als gegen diese und ähnliche Bestimmungen. Daß die jüdischen Aerzte nicht mehr als ihre christlichen Kollegen Ber- 35

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