Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1896)
- Article
- Berlin
- Date
- 1896-10-01
- Page
- 514 (sequence 5)
- Language
- German
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514 Im deutschen Reich. anlassung haben, die Ehrengerichte zu fürchten, dafür erbringt die Tagesgeschichte Beweise zur Genüge. Es sei nur an den sensationellen Prozeß „Dolbeding-Düffeldorf" erinnert." Der Privatdozent an der Universität Berlin, Dr. Martin Mendelsohn, ist zum Mitglieds der kaiserlichen Akademie der Naturforscher in Halle ernannt worden. Am Köllnischen Gymnasium ist Herr Dr. Rosenberg als Oberlehrer angestellt worden. # Nerr-Stu-pin, 15. September. Der von der „Staatsbürger- Zeitung" in einer „besonderen Mittheilung" aus Neu-Ruppin gebrachten Bericht über eine angebliche unprovozirte Mißhandlung eines hiesigen Schreibers durch einen jüdischen Händler ist vollständig unrichtig. Der Schreiber K. ist durchaus nicht, nachdem er grüßend vorübergegangen, geschimpft und mit dem Stock geschlagen, sondern er ist auf offener Straße geohrfeigt worden, nachdem er die Frau des Händlers durch Rufe wie „altes Judenweib" u. s. w. insultirt hatte. Wenn auch der richtige Sachverhalt in der „Neu-Ruppiner Zeitung" bereits veröffentlicht worden, hätte von vem Betheiligten dych das Berliner Antisemitenblatt zu einer Berichtigung veranlaßt werden sollen, damit die Leser desselben eine Idee von der Zuverlässigkeit antisemitischer Berichterstattung erhalten. X Magdeburg, 28. September. Zu den Dingen, welche die „arischen" Antisemiten am unangenehmsten berührten, gehört die für alle vorurtheilslosen Menschen erfreuliche Thatsache, daß die deutschen Juden, seitdem sie nicht mehr in engen, luft- und Lichtlosen Judengassen physisch verkümmern, sich mir Vorliebe und geradezu überraschendem Erfolge der gesundheitlichen Pflege und körperlichen Uebungen widmen, daß sie von Jahr zu Jahr ein immer größeres Kontingent von Waffenfähigen stellen, daß auf fast allen Gebieten des Sports Juden sich auszeichnen. In neuerer Zeit haben Juden nicht nur auf den Rennplätzen, sondern auch als Wettschwimmer, Turner, Radfahrer u. s. w. Bedeutendes geleistet und wiederholt erste Preise davongetragen. Daß die jüdischen Studenten in jeder Beziehung schlagfertig sind, haben sie an vielen Universitäten schon handgreiflich bewiesen. Der Respekt vor dem jüdischen Wettbewerb hat eine größere Anzahl von Radfahrer-Vereinigungen veranlaßt, den deutsch-nationalen Radfahrer-Verband zu begründen, welcher dem bei Aufnahme von Mitgliedern nur nach der Tüchtigkeit der Leistungen fragenden „Allgemeinen Radfahrer-Union" Konkurrenz zu machen sucht. In der von der „Staatsbürger-Zeitung" veröffentlichten Mittheilung des Schriftwarts des antisemitischen Radfahrer-Verbandes wurde kürzlich beklagt.