Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1896)
- Article
- Berlin
- Date
- 1896-10-01
- Page
- 512 (sequence 3)
- Language
- German
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612 Im deutschen Reich. Antisemit und hat, wie die „Voss. Ztg." berichtet, zu einer Frau, die sich ihm gegenüber wegen ihres Guthabens besorgt gezeigt, die Aeußerung gethan: „Sie haben bei mir ja gar nichts zu riskiren; ich bin doch kein.Jude!" Denselben Beschränkungen wie die jüdischen Lehrer werden jetzt auch die freireligiösenLehrer an Privatschulen unterworfen. Wie der „Berl. Morgen - Ztg." berichtet worden ist, wollte die höhere Privatschule zu Jüterbog einen Lehrer anstellen, welcher als Schulamtskandidat für die Fächer der klassischen Philologie und des Deutschen Anstellungsfähigkeit erlangt hatte, aber der freien evangelisch-katholischen Gemeinde zu Königsberg i. Pr. angehörte, ohne indeß aus der evangelischen Landeskirche Preußens, für welche er getauft war, ausgeschieden zu sein. Die Abtheilüng für Kirchen- und Schulwesen der Regierung zu Potsdam hat die Beschäftigung des Schülamtskandidaten an der Privatschule nur mit der Maßgabe gestattet, daß er in Religion, Deutsch, Geschichte und Singen keinen Unterricht ertheilen darf. Die soeben erschienene Kriminalstatistik, welche die im Jahre 1893 erlassenen Strafen umfaßt, enthält zum ersten Male eine eigene Zusammenstellung für die Kriminalität der Studenten. Danach sind in dem genannten Jahre insgesammt 350 Studenten bestraft worden. Da es sich bei der studierenden Jugend im allgemeinen um sozial gleichstehende Elemente handelt, so ist die Thatsache von besonderem Interesse, daß sich unter den 350 bestraften Studenten nur 10 Juden, d. h. 30/0 finden, während die Studierenden jüdischer Konfession 7—9°/0 der Gesamtstudentenschaft bilden. Es haben sich also hier gleich günstige Resultate ergeben, wie bei den für das Jahr 1892 angestellten statistischen Untersuchungen über die Kriminalität der Aerzte, Rechtsanwälte und Lehrer. In der allgemeinen Zusammenstellung ist zwar die Kriminalität der jüdischen Bevölkerung im Jahre 1893 größer als 1892 (3260 gegen 3801). Diese Steigerung ist jedoch lediglich auf die in jenem Jahre außerordentlich verschärften Bestimmungen gegen die Gewerbeordnung zurückzuführen; denn wegen Zuwiderhandlungen gegen dieselbe sind 489 jüdische Gewerbetreibende bestraft worden, während dagegen bei allen schwereren Vergehen die Zahl der Bestraften jüdischer Konfession weit unter der dem Prozentsatz der Bevölkerung entsprechenden Ziffer zurückbleibt. Der G r 0 ß s ch l ä ch t e r - F i r m a S. Isaak in Berlin ist die Lieferung von 3000 Schlachtochsen für die bevorstehende Winterbetriebs-Periode der Armee-Konservenfabrik in Haselhorst bei Spandau übertragen worden. Dies veranlaßte die antisemitische