Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1896)
- Article
- Berlin
- Date
- 1896-10-01
- Page
- 511 (sequence 2)
- Language
- German
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Korespondenzen. 511 mordeten Knaben eine Erdichtung sei". Dem Herrn Reichstagsabgeordneten sollte doch auch das Urtheil Stracks nicht unbekannt sein, „daß die Canonisirung Simons nur wegen der geschehenen Wunder geschehen, aber in der Urkunde von einer Ermordung durch Juden garnicht die Rede sei." Wenn Liebermann von Sonnenberg in die Fußtapfen des Generalanzeiger-Redakteurs tritt und dies als „eine recht kräftige Lebensäußerung" der Antisemiten bezeichnet, so wird er damit dem Rückgänge des Antisemitismus wahrlich nicht Einhalt thun! Der Redakteur der antisemitischen „Deutschen Zeitung", Dr. Friedrich Lange, welcher bekanntlich während seiner früheren Thätigkeit in der Redaktion der „Täglichen Rundschau" von der Anklage der „Kollektiv - Beleidigung" freigesprochen wurde, hatte vor Kurzem heftige Angriffe gegen seinen ehemaligen Freund, den Afrikaforscher Dr. Peters gerichtet, welche diesen zur scharfen Abwehr veranlaßten. Dr. Peters erklärte im „Deutsch. Wochenbl.", er habe gegen Lange die Beleidigungsklage eingereicht, da dieser ihm 1889 aus eine andere Preßbeleidigung hin nicht Genugthuung gegeben habe. Dann heißt es in der Erklärung weiter: „Ende 1885 wurde Herr Lange einstimmig aus der damaligen Deutsch - Ostafrikanischen Gesellschaft, der er als Mitglied angehörte, von uns entfernt. Für seine bisherige Mitwirkung wurde er durch eine Geldzahlung von, wie ich glaube, 10 000 Mk. entschädigt. Seit dieser Zeit datirt sein Haß gegen mich und nachdem ich es abgelehnt hatte, nach seiner Ausweisung aus der Gesellschaft weiter mit ihm zu verkehren." Da die Antisemiten jede Anwendung von Rechtsmitteln gegen ihre Angriffe als „Denunziation" zu bezeichnen pstegen, ist es bemerkenswerth, daß Kapitän-Lieutenant F. R u st, als er öffentlich für Peters gegen Lange eintrat, wörtlich Folgendes erklärte: „Ohne auf die einstigen Pläne des Dr. Peters eingehen zu wollen, muß ich doch als meine Ansicht betonen, daß jene Vorwürfe lediglich auf persönlicher Gehässigkeit und denunziatorischer Neigung beruhen. Wer die Person des Dr. Friedrich Lange, seine Geschichte und sein Verhältniß zu Dr. Peters kennt, wird mich ohne Weiteres verstehen." — Eine neuere Kundgebung des Dr. Lange veranlaßte die „Staatsbürger Ztg." von ihrem antisemitischen Bundesgenossen zu schreiben: „Dr. Lange giebt also zu, 10 000 Mk. als Gründergewrnn erhalten zu haben. Das genügt." Wegen Unterschlagung und Betruges ist am 22. September der Bankier Paul Behrend in Berlin zu 4 Jahren Gefängniß verurtheilt worden. Trotz seines jüdisch klingenden Namens war Behrend