Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1896)
- Article
- Umschau
- Date
- 1896-10-01
- Page
- 508 (sequence 10)
- Language
- German
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508 3m deutschen Reich. deutsch-nationalen Vereinigung im Wiener Gemeinderath beschlossen. Der Austritt der 11 Gemeinderäthe wurde dem Obmanne des Bürger-Klubs, Dr. Kupka, in einem geharnischten Schreiben bekannt gegeben. Nachdem der Fürstbischof Kohn und der Brunner Bischof Dr. Bauer aus Anlaß der bevorstehenden Landlagswahlen durch einen Hirtenbrief an den Klerus und an die Gläubigen in die Agitation zu Gunsten der klerikalen und christlichsocialen Partei entschieden eingetreten sind, hielten es die Deutschnationalen für angezeigt, sich von ihren seitherigen Verbündeten loszusagen. In dem erwähnten Hirtenbrief wurden die Wähler aufgefordert, nur die „wahren Männer", d. h. „gläubige und patriotische Männer", zu wählen, vor allem nicht solche, welche den Mitbürgern einer anderen Abstammung feindlich gesinnt seien und — „über die Grenze schiel e n". (!) Durch die antisemitische Presse Frankreichs ist die deutsche Botschaft in Paris neuerdings wieder mit der dunklen Dreyfus- Affaire in Verbindung gebracht worden. Das Blatt „Eclair" stellte die aussallende Behauptung aus, daß als der Hauptbeweis sür die Schuld des jüdischen Offiziers ein chiffrirter Brief angesehen wurde, den deutsche Militär-Attaches an ihre italienischen Kollegen in Paris im September 1894 gerichtet haben sollen. „Eclair" sagt: „Die Chiffre der deutschen Botschaft besaß man, und um dieses äußerst nützliche Geheimniß zu besprechen, wurde im Prozeß Dreysus später die Oeffentljchkeit ausgeschlossen. Noch mehr: der Brief wurde nicht einmal zu den Akten gegeben. Erst im Kriegsgericht, als die Richter stch zur Berathung zurückgezogen hatten, wurde er diesen insgeheim gezeigt, ohne daß weder der Angeklagte, noch der Vertheidiger darum wußten". Einzelne von dem „Eclair" mitgetheilte Stellen veranlaßten die „Köln. Ztg." zu der Bemerkung: „Wenn dieser Brief wirklich das „Haupt beweisstück" gegen Dreyfus gewesen sein sollte, so wäre seine Nerurtheilung ein Justizmord gewesen. Denn sowohl von deutscher Seite wie seitens der französischen Regierung ist seinerzeit unzweideutig erklärt worden, daß ein solcher Brief niemals e x i st i r t hat, und daß Dreysus niemals in Beziehung zur deutschen Botschaft in Paris gestanden hat." Die Gattin des verurtheilten Exkapitäns wandte sich unter Hinweis auf die Mittheilungen des „Eclair" an den Ministerpräsidenten Meline und an die Deputirtenkammer, um eine Revision des Prozesses zu erzielen. Nachdem sich das von den französischen Antisemitenblüttern verbreitete Gerücht von der Flucht des Erkapitäns Dreyfus als unbegründet erwiesen hatte, begab sich der Mitarbeiter der Drumont'schen „La Libre Parole", Papillaud,