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Im deutschen Reich · 1896-10-01 · Heft 10 (Oktober 1896) · p. 509

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 10 (Oktober 1896)
Article
Umschau
Date
1896-10-01
Page
509 (sequence 11)
Language
German
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Umschau. 509 nach Newport, um sich bei dem Kapitän des Schiffes „Nonpareil", der das Gerücht über die Flucht Dreyfus' nach Europa gebracht haben sollte, über die Quelle der Nachricht persönlich zu erkundigen. Wie vorauszusehen war, kehrte Papillaud unverrichteter Dinge nach Paris zurück. — Das gedachte Blatt des Antisemiten Drumont wurde durch die Verleihung des russischen Weißen Adlerordens an Rothschild derart gegen den Zaren aufgeregt, daß es u. A. das Märchen verbreitete, der Kaiser von Rußland habe in Deutschland für die Vereinigung von Elsaß mit Baden und dessen Erhebung zum Königreich gewirkt! Bei den Unruhen in Konstantinopel sollen Juden sich an den vorgekommenen Missethaten betheiligt haben, wie mehrfach von judenfeindlicher Seite versichert worden ist. Der ehemalige Redakteur des „Volk", v. Gerlach, schrieb: „In Chaskoi ist das Gemetzel am schlimmsten gewesen. Die Juden waren in Chaskoi in großer Ueberzahl und haben sie ausgenutzt. Wo sie sich nicht selbst an dem Gemetzel berheiligt haben, da haben sie den Türken die Wohnungen der Armenier gezeigt. Auch ist der größte Theil des geraubten Gutes zu Spottpreisen in ihre Hände übergegangen. Ich denke mir, daß der Haß gegen die an Geschäftsschlauheit ihnen überlegenen Armenier sie zu dem Vorgehen gegen sie bewogen hat. Doch versicherte man mir, der Hauptgrund sei gewesen, daß sie sich bei den Türken hätten lieb Kind machen wollen. Thatsache ist, daß der Sultan an seinem Namenstag — 31. August — alle wegen bestimmter Vergehen verurtheilten Juden begnadigt, und daß der Großrabbiner allgemeine Dankgebete für ihn angeordnet hat." Auch das „österreichisch-ungarische Militärblatt" legt den Juden zur Last, ganze Ladungen von Habseligkeiten, welche sie von den Mördern um Spottpreise gekauft, in ihr Viertel geschafft zu haben. Die spanische Judengemeinde zu Chaskoi hat aber in einer Eingabe an den Sultan festgestellt, daß Gemeindemitglieder, besonders jüdische Lastträger, von der türkischen Polizei unter Todesdrohungen gezwungen worden seien, sich an der Wegschaffung der geplünderten Sachen zu betheiligen. Einzelne Armenier gaben bekannt, daß sie nur durch die Hilfe mehrerer Juden dem Gemetzel entronnen seien. Durch diese vereinzelten Zeugnisse wird die antisemitische Sagenbildung in diesem Falle wie in anderen Fällen leider kaum völlig zerstört werden! A. L.

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