Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1896)
- Article
- Umschau
- Date
- 1896-10-01
- Page
- 506 (sequence 8)
- Language
- German
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606 Im deutschen Reich. der zweiten Hälfte des Oktober versuchsweise nach Europa zurückkehren, um sein Mandat loS zu werden, für dessen Erlangung ein Großgrundbesitzer des Driesener Kreises angeblich 15000 Mk. aufwenden will. Jedenfalls wird derselbe gut thun, erst nach vollzogener Nachwahl diese Summe zerlegen, da es noch sehr zweifelhaft ist, ob der Kreis Friedeberg-Arnswalde auch ferner zu der deutsch-sozialen Reformpartei halten wird. Inzwischen veranstaltet der „Rektor aller Deutschen" in Nordamerika Versammlungen, in welchen er gegen den Präsidentschafts-Kandidaten Mac Kinley Stimmung zu machen sucht, indem er ihn als „Puppe der jüdischen Finanzwelt" bezeichnet. Die nordamerikanischen Republikaner benutzen dies, um recht viele jüdische Stimmen für Mac Kinley zu gewinnen. — Am 4. Oktober hat übrigens die „Kreuzzeitung berichtet, daß kürzlich im Kriminalgerichte zu Berlin-Moabit 15 Centner von dem Ahlwardt'schen Buche „Judenflinten" zur Heizung der großen Dampfkessel in das Feuer geworfen worden sind. Bevor sich noch die Verhältnisse in dem Kreise Friedeberg- Arnswalde klären werden, dürften schon die Reichstagswahlen in Gießen und M a i n z, sowie die hessischen L a n dt a g s w a h l e n zeigen, ob die Eintracht unter den Antisemiten wirklich so fest ist, wie sie seit dem Parteitage in Halle behaupten. Wenn die anderen Parteien in diesen Kreisen sich nicht gegenseitig befehdeten, wären auch dort antisemitische Erfolge völlig ausgeschlossen. In drei hessischen Wahlkreisen sind antisemitische bezw. christlich-sociale Landtagsabgeordnete gewählt worden. Sowohl ein auf dem Parteitage zu Halle gestellter Antrag der Hamburger Reformer, welcher die Zusammengehörigkeit der Ost-- märker mit den Reichsdeutschen betonte, als auch eine seltsame „großdeutsche Aeußerung" der „Deutschen Wacht" ist als eine Folge des Besuchs der österreichischen Anhänger Schönerer's in Dresden und Hamburg zu betrachten. Diese Deutschnationalen traten neuerdings sehr entschieden gegen die Wiener Christlichsozialen auf, deren klerikale Bestrebungen immer deutlicher sich zeigen. Wie von deutsch-nationaler Seite berichtet wird, hat für die Bezirksausschußwahlen in einem Wiener Bezirke das aus Christlich-sozialen bestehende Vorschlags-Komitee alle deutsch-nationalen Bewerbungen abgeschlagen, dafür aber einen Mann vorgeschlagen, welcher sich ganz offen als Czeche bekannte und forderte, daß man den Kampf nicht gegen die Slaven, sondern nur gegen Juden und Liberale führen solle. Der ezechische Kandidat wurde im „deutschen" Wien mit Beifall belohnt. Der antisemitische Vizebürgermeister Wiens, Dr. Lueger, der dieser