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Im deutschen Reich · 1896-10-01 · Heft 10 (Oktober 1896) · p. 505

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 10 (Oktober 1896)
Article
Umschau
Date
1896-10-01
Page
505 (sequence 7)
Language
German
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Umschau. 505 führen. Dazu bemerkte das „Berliner Tageblatt" treffend: „Was die Moral der Antisemiten speziell betrifft, so braucht man nur daran zu erinnern, daß alle paarWochen e i-n antisemitischer Agitator wegen unsittlichen Verkehrs mit Kindern oder dergleichen Dingen verurtheilt werden muß. Sollten der Redaktion der Staatsb.-Ztg. diese Prozesse ganz unbekannt geblieben sein? Sicher nicht. Aber da handelt es sich jedesmal um ein einzelnes verirrtes Schäflein, während, sobald ein Jude sich ein Vergehen zu Schulden kommen läßt, sofort die ganze Rasse und sogar die Religionsgemeinschaft dafür verantwortlich gemacht wird. Vielleicht erinnert sich die „Staatsb.-Ztg." noch an eine andere Gerichtsverhandlung, über die auch erst vor einigen Tagen berichtet wurde. Danach wurde ein Pastor zu einem Jahre Gefängniß verurtheilt, weil er in der Sakristei seiner Kirche einen unsittlichen Angriff auf ein Dienstmädchen gemacht hatte. Warum knüpft das Antisemitenblatt an diesen Fall denn keine tiefsinnigen Betrachtungen über Talmudmoral, christliche Moral und Moral überhaupt?" Das bemerkenswerte Vorkommniß, daß eine jüdische Volksschullehrerin in Berlin, nachdem sie lange vergeblich auf Anstellung gewartet, zum Christenthum übertrat und alsbald angestellt wurde, gab dem erwähnten Blatt den Anlaß, von einer „Verhöhnung der Taufe" zu sprechen. Einer solchen machen sich aber nicht nur solche Juden schuldig, welche in der Verzweiflung über die Aussichtslosigkeit, angestellt zu - werden, ihre religiöse Ueberzeugung verleugnen, sondern auch Christen, welche solchen Uebertritt, dessen Motiv klar zu Tage liegt, begünstigen und belohnen, vor Allem aber jene Antisemiten, welche die Kraft der Taufe leugnen, indem sie keinen getauften Juden als ihren Glaubensgenossen ansehen, sondern ihn der von ihm verlassenen Religionögenossenschaft bei jeder Gelegenheit wieder an die Nockschöße zu heften suchen. Als kürzlich gegen den zum Katholizismus übergetretenen Verwalter des Jnsterburger Schlachthofes, den Sohn des Ortelsburger jüdischen Gastwirths Braun, die Untersuchung wegen Unterschlagung und Urkundenfälschung eingeleitet wurde, schrieb das Antisemitenblatt: „Bedauerlich bleibt es, daß kommunale Behörden sich noch immer nicht von der aus liberalem Geiste entsprungenen Sucht, jüdische Stammesgenossen zu bevorzugen, frei machen können." Die Juden haben doch wahrlich keinen Grund, die Bevorzugung von C o n v e r t i t e n zu wünschen, durch welche die Zahl der Abtrünnigen sich nur vermehren könnte! Wie verlautet, will der deutsche ReichStagsabgeordnete Ahlwardt in

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