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Im deutschen Reich · 1896-10-01 · Heft 10 (Oktober 1896) · p. 503

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 10 (Oktober 1896)
Article
Umschau
Date
1896-10-01
Page
503 (sequence 5)
Language
German
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Umschau. 603 Kirche", welcher denCentral-Verein deutscherStaaLSbürger jüdischen Glaubens veranlaßte, in Neuenahr und Umgegend eingehende Ermittelungen anzustellen. Dieselben ergaben, daß ander ganzen Geschichte kein wahres Wortwar! Der Direktor der Aktien-Bade-Gesellschaft von Neuenahr erklärte den Herren Dr. Weidenbaum und A. Borg vor Zeugen, daß kein Jude ein solches Gesuch an ihn gerichtet hätte und daß er die Redakteure, welche diese unwahre Geschichte verbreiteten, auffordern wolle, dieselbe zu widerrufen. Von einigen Blättern ist ein solcher Widerruf veröffentlicht worden. Die „Tägl. Rundschau" knüpfte aber an denselben die unqualifizirbare Bemerkung: „Höchst wahrscheinlich werden in Folge dessen gewisse Zeitungen behaupten, alle Mittheilungen über jüdische Anmaßungen seien in das Reich der Fabel zu verweisen. Die Sache ist aber umgekehrt. Solche Nachrichten, wie die aus Neuenahr, finden Glauben, weil eben Lhatsüchliche Anmaßungen da und dort Vorkommen." Darauf baute wohl auch Di*. Fr. Lange, als er nachträglich in der „Deutschen Zeitung" erzählte, jüdische Gäste hätten im vorigen Jahre an die Brunnendirektion des Bades Salzbrunn i. Schl, das Anfinnen gestellt, den Morgenchoral ungespielt zu lassen. Die fürstlich-pleßische Brunnen- und Badedirektion gab auf Ersuchen der Redaktion der Mittheilungen zur Abwehr des Antisemitismus den Bescheid, daß solche Aufforderung seitens der jüdischen Badegäste bei ihr nicht gestellt wurde. Di*. Lange ließ zunächst diese Berichtigung unbeachtet; sein Blatt brachte dann am 21. Oktober folgende Briefkastennotiz: „F. in Bad Salzbrunn. Sehr erfreut über das Ergebnis Ihrer Nachforschung. Wir werden zunächst ruhig abwarten, ob das Organ uns etwa wegen Nichtberücksichtigung der von ihm gegebenen sogenannten Berichtigung zur Rede stellen wird, und dann mit dem Ergebnis Ihrer Erkundigungen herauskommen." Dies Ergebnis wird wohl auf sich warten lassen! Hoffentlich finden solche Märchen künftig nirgends mehr Glauben, weil antisemitischeböswilligeEr find ungen unendlich häufiger Vorkommen als jüdische Anmaßungen! Noch häufiger aber ereignet es sich, daß unsere Gegner etwas, was ihnen mit Recht oder mit Unrecht mißfällt, einfach einem Juden zuschreiben. Bittet dann der Betreffende selbst höflichst um die Mittheilung, daß er der Glaubensgenosse des ihn tadelnden Redakteurs sei, so wird das Schreiben in den Papierkorb geworfen. Eine unter Hinweis auf den §11 des Reichsgesetzes geforderte Berichtigung findet selbstverständlich Aufnahme, aber dann begleitet die antisemitische Redaktion .die Notiz mit Glossen, wie „der von ihr Angegriffene

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