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Im deutschen Reich · 1896-10-01 · Heft 10 (Oktober 1896) · p. 500

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 10 (Oktober 1896)
Article
Umschau
Date
1896-10-01
Page
500 (sequence 2)
Language
German
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500 3m deutschen Reich. Schulchan-Aruch, das Kol-Nidre-Gebet und das jüdische Schächten auf das Elendeste verleumden — lauter Dinge, welche nur die Religion und religiösen Gebräuche der Juden, nicht aber deren Abstammung betreffen und einen zum Christenthum übergetreienen Juden "gar nichts mehr angehen! Wäre die Sache nicht so unendlich traurig für Jeden, der dem deutschen Volk seine Stellung an der Spitze aller Kulturvölker und Humanitäts-Bestrebungen gewahrt sehen möchte, so müßte man es erheiternd finden, daß ein antisemitisches Blatt, wie die „Hann. Post", nachdem es erst kurz vorher zur Verbreitung der Verleumdung, daß die jüdischen Schlächter aus rituellen Gründen das für Nichtjuden bestimmte Fleisch zu besudeln pflegen, wesentlich beigetragen hatte, zu schreiben wagt: „Wir brauchen uns nicht gegen den Vorwurf zu verwahren, als bekämpften wir die jüdische Religion, wie es denn überhaupt eine man ständigen Deutschen niemals einfallen wird, die jüdische Religion zu bekämpfen oder gar zu lästern." Einem „anständigen Deutschen" wird solches allerdings nicht einfüllen, weil jede Lästerung Gottes ein Frevel, jede Lästerung dessen, was anderen Menschen heilig und theuer, eine Rohheit ist. Welche schlimmere Lästerung einer Religion giebt es denn aber, als die Behauptung, daß dieselbe ihren Bekennern den Kindermord, den Genuß von Menschenblut, den Meineid, die Verunreinigung des von Andersgläubigen zu genießenden Fleisches u. dgl. m. vorschreibt? Wie „anständige" deutsche Christen über die jüdische Religion denken, davon hat der von der Zeitschrift „Die Zeit" am 20. September d. I. veröffentlichte Artikel „Der neue Glaube" beredtes Zeugniß gegeben. Es hieß darin: „Ein neuer Glaube muß eine neue Erfassung des alten Glaubens sein. Jesus kennzeichnet seine Stellung durch das Wort: „Ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen". Wo er irgend kann, bindet er sein Evangelium an Moses und die Propheten: „Ihr habt gehört, daß zu den Alten gesagt ist, ich aber sage euch!" Er schreitet weiter auf der Bahn, die durch alte Offenbarungen schon erleuchtet war. Und auch Moses war nicht der Anfänger eines völlig neuen Glaubens. Das erste Wort Jehovas zu ihm heißt: „Ich bin der Gott Deines Vaters Abraham." —Daß auch die „Unanständigen" Grund haben, sich gegen eine Lästerung der jüdischen Religion zu verwahren, ist in dem § 1G6 des Reichsstrafgesetzes begründet, welcher mit Gefängniß bis zu drei Jahren denjenigen bedroht, welcher „eine mit Korporationsrechten innerhalb des Bundesgebietes bestehende Religionsgesellschaft oder ihre Einrichtungen oder Gebräuche beschimpft." Bisher hat dieser Para-

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