Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1896)
- Article
- Fleischbesudelungs-Prozesse
- Date
- 1896-10-01
- Page
- 491 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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Lleischbesudelungs-Prozeffe. 491 schon erlebt, daß sofort ein Strafbefehl ergangen ist. Hätten wir die Fleischbesudelungssache ruhen lasten, so würden jetzt die schimpflichsten Verleumdungen gegen das Judenthum in die Welt gehen. (Zustimmung.) Wer in solchen Fällen nichts thut, wer solche Verleumdungen unwidersprochen in die Welt gehen lasten und dagegen mit den gesetzlichen Mitteln sich nicht wehren will, der hat überhaupt kein Recht mehr, sich zu beklagen und der verdient die Schmähungen und Vorwürfe, die den Juden gemacht werden. Ich kann versichern, so lange wir die Geschäfte führen werden, so lange werden wir uns nicht der Gefahr aussetzen, daß man uns diesen Vorwurf machen kann. (Lebhafter Beifall.) Die Rednerliste ist erledigt. Ich möchte nicht die Diskussion schließen, ohne zu fragen, ob noch jemand das Wort nehmen möchte. Das ist nicht der Fall. Dann schließe ich die Sitzung. M. H.! Ich bitte Sie, nochmals Platz zu nehmen. Es hatte sich noch Herr Klaußner zum Worte gemeldet; das war mir nicht bekannt, ich habe ihn auch nicht sich melden sehen, als ich ausdrücklich gefragt habe, ob noch jemand das Wort wünsche. Ich ertheile Herrn Klaußner das Wort. Herr Klaußner: M. H.! Ich bin mir sehr genau bewußt, in der Minorität, vielleicht ganz vereinzelt mit der Anschauung, die ich vertrete, zu sein. Das kann mich aber nicht abhalten, meine Meinung zu sagen. Einer anderen Meinung zu folgen, blos weil sie die Mehrheit augenblicklich hinter sich hat, ist nicht meine Gewohnheit. Ich will vorausschicken, daß ich keineswegs gesonnen bin, irgendwie diejenigen Angriffe zu indossieren, die der Herr Vorsitzende, ebenso der Herr Reckitsanwalt Fuchs, der stellvertretende Herr Vorsitzende, gegen diejenigen gerichtet haben, die mit ihren Bestrebungen nicht einverstanden sind. Die weitaus größte Mehrzahl, ja alle Vorwürfe, die angeführt wurden, bis auf einen einzigen, sind mir fremd gewesen. Ich glaube, die beiden Herren haben sich ohne Roth echaufsirt, wenn sie sich gegen alle diese Vorwürfe verwahrten. Soweit ich habe sehen können, hat niemand noch ihnen das Ansinnen untergestellt, daß sie etwas anderes thun, als nach bester subjektiver Ueberzeugung zu handeln, daß sie das, was sie thun, nicht für vortheilhaft für das, was sie zu vertreten berufen sind, halten. Ebensowenig ist es, fo weit ich