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Im deutschen Reich · 1896-10-01 · Heft 10 (Oktober 1896) · p. 488

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 10 (Oktober 1896)
Article
Fleischbesudelungs-Prozesse
Date
1896-10-01
Page
488 (sequence 24)
Language
German
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4 88 3m deutschen Reich. Dickungen oder Anschwellungen zeigen, dann muß die Lunge unterflicht werden. Gehen diese Fädchen, die dünneren oder dickeren, die Anschwellungen, leicht hinweg, dann ist die Lunge als koscher, als zum Genüsse verwendbar anzusehen. Ist das nicht der Fall, dann darf das Vieh nicht genossen werden. Nun gebietet das Gesetz, damit dieses genau erprobte Verfahren beobachtet werde, daß man die Stelle mit lauem Wasser wasche; gehen bei diesem Waschen mit lauem Wasser diese etwas oberhalb der Lunge befindlichen Fädchen leicht ab, dann ist sie gut. Nun mag es vorgekommen sein, daß Metzger, die kein laues Wasser zur Hand hatten, mit der Feuchtigkeit ihres Mundes, die kritische Stelle behandelt haben, immer sind dann aber solche befeuchtete Stellen a b geschnitten worden, weil nach unseren Satzungen nicht nur das, was nicht koscher, sondern auch das, was ekelerregend oder krankhaft ist, als ungenießbar gilt." Der Redner wies sodann überzeugend nach, daß das, was Herr Sedlatzek aus dem „Jore Dea" herausgelesen haben will, nicht in demselben steht und wie leichtfertig Anklagen gegen Juden und Judenthum gebildet werden. Herr Dr. Nosenzweig sagte sodann wörtlich: „Ich weiß nicht, was mit den Gebrüdern Bonn vorgegangen ist; ich weiß nicht, wie es kam, daß sie verurtheilt worden sind. Das aber weiß ich: unmöglich kann diese Besudelung, falls sie wirklich stattgehabt haben sollte, mit unserer Religion in irgend welcher Verbindung stehen. Vielen von Ihnen wird noch bekannt sein, daß vor Jahren in unserer Stadt ein Prozeß wegen Käsevecunreinigung stattgesunden hat. (Zurufe: Valentin.) Wie thöricht die Behauptung ist, daß auch Juden aus rituellen Gründen die für Christen bestimmten Speisen verunreinigt haben sollen, geht schon daraus hervor, daß doch nicht bloß Christen, sondern auch Juden den verunreinigten Käse gekauft und gegessen haben. Was auch immer die Gebrüder Bonn gethan haben mögen, mit der Religion hatte es absolut nichts zu thun. Lassen wir uns nicht verbittern durch derartige Geschichten. Israel hat viel ertragen und erträgt auch viel. Wir werden auch diese Anklagen überdauern. Denken wir aber au das Wort des Psalmisten: „Mögen jene Dir fluchen. Du sollst segnen!" (Lebhafter Beifall.) Auf eine Anfrage des Herrn Sachs, weshalb sich die Papenburger Schlächter in dieser Angelegenheit vollständig

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