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Im deutschen Reich · 1896-10-01 · Heft 10 (Oktober 1896) · p. 487

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 10 (Oktober 1896)
Article
Fleischbesudelungs-Prozesse
Date
1896-10-01
Page
487 (sequence 23)
Language
German
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Fleis chbesudelungs-prozeff e. 467 abzuhalten hatte. Ich habe von meiner frühesten Jugend an mich mit den Schriften beschäftigt, die über unser Judenthum uns Kunde geben. Ich erkläre Ihnen hiermit bei allem, was mir heilig ist, daß in unseren Schriften weder irgend eine Stelle, noch irgend eine Andeutung oder ein Hinweis darauf zu finden ist, wonach Fleisch, das man Christen verkauft hat oder verkaufen will, zu besudeln gestattet wäre oder gar zu besudeln geboten wäre. Ich erkläre ferner, daß mir auch nicht ein einziger Fall im praktischen Leben bekanntist, in dem derartiges geschehen ist. Nein, unser Judenthum kann solches nicht lehren. Ein Glaube, der schon vor Jahrtausenden, als in der Welt noch Dunkelheit geherrscht hat, dem Volke gekündet hat: du sollst mit dem Egypter nicht rechten, denn in deffen Mitte warst du ein Fremdling; ein Glaube, der da kündet: es ist verboten, auch die Gedanken des Menschen zu täuschen; ein Glaube, in dessen Mitte gelehrt worden ist zur Zeit, als das Christenthum noch nicht einmal im Anbeginn war: was dir nicht lieb ist, das thue auch deinem Nebenmenschen nicht; ein Glaube, in dessen Mitte ein Mann gelebt hat, der zu den bedeutendsten unserer Geschichte gehört — ich meine MaimonideS —; ein Glaube, der gebietet, einem Fremden nicht ungesetzlich geschlachtetes Fleisch statt gesetzlich geschlachtetes zu verkaufen; ein Glaube, der verbietet. Niemanden im Kauf oder Verkauf zu beuachtheiligen, die Fehler der Waare selbst dann anzugeben, selbst wenn der Verkäufer keinen Vortheil in Geld hat, weil sonst eine Gedankentäuschung vorläge: ein solcher Glaube kann unmöglich Unflätiges gestatten oder gar gebieten! Und wenn hier und da etwas mitgetheilt wird aus unseren Schriften, so gilt dies von jenen, die Götzendiener genannt werden. Die Christen sind keine Götzendiener, das haben unsere Weisen, unsere Lehrer zu tausend Malen wiederholt. Was aber ist es doch, so könnten Sie mich fragen, was zu solcken Anschauungen oder Aeußerungen Veranlassung geben könne? Wir wollen zu Gunsten unserer Feinde sagen, sie sind betrogen. Im „Schulchan Aruch" ist folgendes verordnet: Wenn an einer Lunge sich Fädchen, Dünnungen oder

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