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Im deutschen Reich · 1896-10-01 · Heft 10 (Oktober 1896) · p. 486

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 10 (Oktober 1896)
Article
Fleischbesudelungs-Prozesse
Date
1896-10-01
Page
486 (sequence 22)
Language
German
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486 Im deutschen Reich. kommenden Strafanzeigen thun und, es hieße am Recht und aw der Menschheit verzweifeln, wenn man glauben sollte, daß auch fürderhin der Erfolg ausbleiben wird. Rur zwei Dinge sind möglich; entweder wir glauben in optimistischer Lebensauffassung daran, daß Recht Recht bleiben wird, und dann wird auch uns unser Recht werden, oder wir sind Pessimisten, und dann ist unser Verein, unsere Abwehr und all' unser menschliches Thun und Mühen umsonst; dann mögen wir Kismeth rufen und in dumpfer Resignation uns in das Unvermeidliche fügen und alles Ungemach in stiller Ergebung über uns ergehen lassen. M. H., wir sind unverbesserliche Optimisten, wir glauben daran, daß Recht Recht bleiben wird bis zum jüngsten Tag, und so wahr Hexenprozesse und Teufelsspuk, Folter und Inquisition aus der Geschichte der Menschheit verschwunden sind, so wahr wird auch das Märchen von der Fleischbesudelung verschwinden. Was wir erhoffen und erstreben, werden wir aber nicht durch unthätige Ergebung, sondern einzig und allein durch mühevollen Kampf erringen. „Durch Kampf zum Recht" war unsere Losung und wird es auch fürderhin sein. (Lebhafter, anhaltender Beifall und Händeklatschen.) Der Vorsitzende Herr Or. M. H o r w i tz erklärt hierauf, mit Rücksicht auf die Wichtigkeit der von dem Vorredner erörterten Sache, die auf der Tagesordnung stehenden „geschäftlichen Mittheilungen" erst in der nächsten Versammlung erstatten zu wollen, damit er sofort die Diskussion eröffnen könne. Zunächst erhielt Herr Rabbiner vr. R o s e n z w e i g das Wort und sagte: „Der Prediger spricht: „Es ist eine Zeit zu schweigen, eine Zeit zu reden." Ich schwiege lieber. Es ist spät und unerquicklich die Sache und unappetitlich dazu, und doch: ich muß reden. Ich fürchte allerdings, mein Wort wird nicht belehren jene, die nicht belehrt sein wollen. Ich muß aber reden um Ihretwillen. Ich fürchte, daß einzelne unter unseren Mitgliedern sein können, die im Stillen sich sagen würden: es muß doch etwas an der Sache sein, wenn preußische Richter jene freisprechen, die solches über Juden aussagen. Ich habe meine Jugend in einer Gegend verlebt, in der es nur jüdische Metzger gab. Ich habe während meines zweiundzwanzigjährigen Amtwaltens in Gemeinden gelebt, in deren Mitte ich im Amte des Rabbiners die Aufsicht über das koschere Fleisch

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